Interview zur Integrata Akademie

Interview zur Integrata Akademie

Die Integrata Akademie als neues Projekt der Integrata Stiftung startet am 12. April mit der Seminarreihe „Ethik und KI“. Im Vorfeld hat Anni Schlumberger, Human IT Service GmbH, hierzu ein Interview mit dem Projektleiter der Akademie, Georg Ludwig Verhoeven geführt und gefragt, warum dieses Thema besonders relevant ist und was die TeilnehmerInnen erwartet.

Das Interview auch als Videopodcast.

Anni Schlumberger: Georg, warum hat sich die Stiftung zum Start der Akademie für das Thema "Ethik und Künstliche Intelligenz" entschieden? Warum ist dieses aus deiner Sicht besonders relevant?

Georg Ludwig Verhoeven: Der Künstlichen Intelligenz wird eine glorreiche Zukunft vorausgesagt. Die Medien, aber auch wissenschaftliche Fachartikel berichten von Systemen mit bisher ungeahnten Fähigkeiten – vom Brettspiel bis hin zu medizinischen Diagnosen, von autonom operierenden Fahrzeugen und Waffensystemen bis hin zu Anwendungen in der bildenden Kunst, Musik und anderen kulturellen Bereichen. KI scheint langsam in der gesamten Gesellschaft präsent zu sein.

Täglich erscheinen Bücher, Filme und Podcasts zu dem Thema, und sogar die Kultur beschäftigt sich damit. Allerdings muss man diese Informationsflut auch kritisch betrachten, denn viele der Begriffe und „Buzzwords“ sind nicht scharf definiert und werden unterschiedlich interpretiert.

Es gibt aber auch kritische Töne und Fragen:

  • Werde die KI-Systeme Menschen ersetzen und arbeitslos machen?
  • Werden Sie irgendwann „intelligenter“ sein als Menschen und vielleicht sogar die Herrschaft übernehmen?
  • Was dürfen KI-Systeme tun, welche Daten dürfen Sie nutzen, welche Entscheidungen treffen und welche nicht?

KI-Systeme sind hochkomplex und werden oft nur noch von ihren EntwicklerInnen durchschaut – und oft nicht einmal von diesen. Die Entscheidungen der Systeme nicht häufig nicht nachvollziehbar, kommen teilweise unerwartet, können aber schwerwiegende Folgen haben.

Wir müssen uns vor diesem Hintergrund fragen, wie wir damit umgehen wollen:

  • Was wollen wir KI-Systemen „erlauben“?
  • Wo wollen und müssen wir die Kontrolle behalten – und vielleicht sogar schon zurückgewinnen?

Die Kernfrage lautet also: Wie müssen wir KI-Systeme entwerfen, bauen und einsetzen, dass sie „das Gute tun“, also „ethisch“ handeln?

Anni Schlumberger: Was erwartet die TeilnehmerInnen?

Georg Ludwig Verhoeven:   Im Basisseminar wird die Grundlage für eine kompetente und verantwortliche Beschäftigung mit dem Thema „Ethik und KI“ gelegt. Die TeilnehmerInnen lernen dazu die grundlegenden Begriffe und Zusammenhänge kennen und verstehen und können sie auf ihre künftige Arbeit beziehen.

Dazu gehören zum einen technische Themen, also, wie KI grundsätzlich funktioniert, aber auch philosophische Begriffe, wie Moral, verschiedene Arten von Ethik und ihre Relevanz in der KI, Verantwortung und die Frage, wie sich das alles in der Menschheit entwickelt hat und weiterentwickeln kann.

Das Basisseminar umfasst acht 90-minütige Online-Lektionen, jeweils eine pro Woche. Zur Vor- und Nachbereitung der Lektionen erhalten die TeilnehmerInnen von den Referenten Hinweise auf ergänzendes Material. Die Referenten stehen nach der Lektionen auch für inviduelle Fragen zur Verfügung.

Die Referenten sind anerkannte Experten auf dem Gebiet, jeder von ihnen hat Jahrzehnte Erfahrung in der IT, in Forschung und Hochschullehre, ebenso in „echten“ Projekten. Wir legen besonderen Wert darauf, die TeilnehmerInnen nicht nur zu „berieseln“, sondern die Themen auch eingehend zu diskutieren und Anregungen zum weiteren Selbststudium zu geben.

Anni Schlumberger: An wen richtet sich das Seminar? Und: wie kann ich mich anmelden?

Die vorrangige Zielgruppe sind Menschen mit Praxiserfahrung – IngenieurInnen, SoftwareentwicklerInnen und Führungskräften in den Bereichen, in denen KI-Systeme eingesetzt werden sollen oder bereits werden. Auch Führungskräfte und ManagerInnen in diesen Bereichen werden von dem Seminar profitieren.

Oft sind diese Menschen sehr technisch geprägt und haben weniger Hintergrund im geisteswissenschaftlich-philosophischen Bereich. Den benötigt man aber, um in der Diskussion über Ethik in der KI mitreden zu können.

Diese Zielgruppe wollen wir im Basisseminar inhaltlich „abholen“. Wichtig ist uns die Offenheit, sich mit diesen, für viele vielleicht neuen Themen beschäftigen zu wollen.

Eine Anmeldung ist online unter der Adresse www.integrata-akademie.de möglich. 

Anni Schlumberger: Und was ist in Zukunft im Rahmen der Integrata Akademie geplant?

Georg Ludwig Verhoeven: Wir planen weitere Seminarreihen, in der die Thematik gezielt vertieft wird. Es geht dann um Risikomanagement, Operationalisieren von Werten, Entwurf und Entwicklung von KI-Systemen, alles unter Berücksichtigung ethischer Aspekte und Leitlinien.

Dann geht es um Normen und Standards für KI, Maschinenbewusstsein und Situationserkennung, Ontologie und Modularisierung – mit besonderem Fokus auf autonome Systeme und vor allem ganz praktisch darum, wie diese Überlegungen sich konkret in die Praxis übertragen lassen.

Zum Abschluss der Seminarreihe „Ethik und KI“ geht es darum, wie man den Themenkomplex in Organisationen gestalten und einführen kann, welche Normen, Qualitätssiegel etc. hierbei sinnvoll sind, und wie eine Zertifizierung aussehen kann. Die TeilnehmerInnen können dann auch ein solches Zertifikat erwerben. 

Anni Schlumberger: Georg, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der ersten Seminarreihe.