Der Stifter – Prof. Dr. Wolfgang Heilmann

Prof. Dr. Wolfgang Heilmann hat die Integrata-Stiftung 1999 als Stifter ins Leben gerufen. Bevor er seinen Ideenreichtum und Gestaltungswillen den Visionen einer Humanisierung mittels Informationstechnologie widmete, war er erfolgreich unternehmerisch tätig gewesen:

KURZVITA

  • geboren 1930 in Niederschlesien
  • 1951 Abitur in Alfeld/Leine
  • Studium der Volkswirtschaftslehre und Philosophie in Frankfurt/Main und Tübingen mit anschließender Promotion zu „Sozialutopien der Neuzeit“
  • 1964 Gründer der späteren INTEGRATA Unternehmensberatung als „Arbeitsgemeinschaft für integrierte Datenverarbeitung
  • 1995 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz
  • 1999 Honorarprofessor der Universität Karlsruhe (zuvor diverse Gastprofessuren und Lehrtätigkeiten u.a. in Shanghai, Moskau, Dresden, Tübingen und Stuttgart)
  • 1999/2000 Gründer der Integrata Stiftung
  • 2016 Ehrenpräsident der Integrata Stiftung
Der Stifter Prof. Dr. Wolfgang Heilmann

Der Zustifter – Michael Mörike

Der Zustifter Michael Mörike

Michael Mörike ist Diplomphysiker und Unternehmer. Seit mehr als 50 Jahren ist er im Bereich der IT-Entwicklung unterwegs und kann zweifelsohne als ein „Internetpionier“ bezeichnet werden.

Seit mehr als einem Jahrzehnt übt Michael Mörike bereits das Ehrenamt des Vorstands der Integrata Stiftung aus. Ihn beschäftigt die Auswirkung der KI auf unsere Wirtschaft und Gesellschaft sowie die damit verbundenen ethischen Fragestellungen.

Als Zustifter hat er die Integrata-Stiftung bis heute mit insgesamt 200.000 Euro unterstützt.  Seit 2011 sind von ihm für die Entwicklung von der Online-Beteiligungsplattform Polit@ktiv Spenden im sechsstelligen Bereich dazugekommen.

Interview mit Herrn Prof. Dr. Wolfgang Heilmann

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Herr Dr. Heilmann, Sie haben 1999 die Integrata-Stiftung für "humane Nutzung der Informationstechnologie" ins Leben gerufen. Wie kam es zur Gründung der Stiftung?

Ich hatte bereits 1964 eine Schulung- und Beratungsgesellschaft für elektronische Datenverarbeitung gegründet, die sich in den folgenden 35 Jahren zu einer kleinen Aktiengesellschaft mit über 800 freien und fest angestellten Mitarbeitern entwickelte. Als Gründer, Leiter und Mehrheitsgesellschafter dieses Wirtschaftsbetriebes wurde mir bald klar, dass Unternehmungen Gewinne investieren müssen, um zu überleben-und darunter leiden die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter, die -wenn es ums Geld geht-am kürzeren Hebel sitzen. Für gemeinnützige Maßnahmen sind Stiftungen nötig! Aber erst, als ich meinen Firmenanteil verkauft hatte, war ich finanziell in der Lage, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die das Ziel verfolgt, die Lebensbedingungen des Menschen mit Hilfe der IT zu verbessern.

Und wie kamen Sie auf die Idee?

Hauptaufgabe der Integrata AG war es, die überhand nehmende Büroarbeitsprozesse unserer Klienten auf EDV umzustellen und dadurch Kosten einzusparen. Ziel war also allgemein ausgedrückt: Rationalisierung -  mein Ziel mit der Stiftung war nun, ebenso lapidar: Humanisierung, und zwar mit den Mitteln der Informationstechnologie selber: Die IT soll helfen, nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern die gesamten Lebensbedingungen von Menschen zu verbessern. Deshalb nannte ich meine Stiftung auch: Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie. Schlichter und verständlicher ist unser Motto: Mehr Lebensqualität durch IT.

Hat sich dieses Ziel aus heutiger Sicht erfüllt?

Nein, natürlich nicht. Die Verbesserung der Lebensqualität für Menschen ist ein fortwährender Prozess. Wir sind da ganz am Anfang, und der ist durchaus positiv zu bewerten. Ich möchte hier nur drei Gesichtspunkte dafür nennen: 

  • Wir sind räumlich freier geworden. Durch die IT-Geräte und Prozesse können wir beispielsweise zu Hause arbeiten und über Weltmeere hinweg miteinander kommunizieren.
  • Wir sind aber auch zeitlich unabhängiger als früher. Unsere IT-Technik erlaubt uns die zeitunabhängige, ubiquitäre Nutzung von Bild, Ton und Wort.
  • Und schließlich sind wir auch-ich möchte es einmal so ausdrücken-disziplinarisch freiere Menschen als vorher. Der Mitarbeiter, der zu Hause oder unterwegs mit seinem Computer arbeitet, tut das in relativer Unabhängigkeit von seinen Chefs. Das hohe Maß an Selbstbestimmung des Menschen-in der Freizeit längst erreicht-hat sich so auf das gesamte Berufs- und Geschäftsleben übertragen-und wohl auch in den Familien.

Heißt das nicht gleichzeitig auch: Wir entfremden uns voneinander?

Ja, da haben Sie recht. Wir werden von der Fülle der Informationen, die auf uns einstürmen, geradezu überflutet, von unserem Staat immer stärker überwacht, durch Computer-Kriminalität beraubt, von Marktschreiern betrogen-und was das Schlimmste ist, viele verblöden durch ständiges Handy Geplapper. Die Menschheit scheint das Ideal einer humanen Gesellschaft einer Technologie zu opfern. Und das ist das Gegenteil von meiner Vision, als ich die Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie gründete!

Wir nutzen die IT also falsch?

In der Tat. Die Menschheit reagiert oft gedankenlos-ja kopflos auf die vielen Möglichkeiten der Gestaltung eines besseren Lebens durch sinnvolle Nutzung der IT-nämlich als Werkzeug. Soziologisch gesehen ist die Entfremdung, die die IT für uns mit sich bringt, besonders nachhaltig-und wir müssen auf der Hut sein, dass uns das Werkzeug nicht über den Kopf wächst und eines Tages in Folge der Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz sogar noch vorschreiben wird, was wir tun sollen. Das wollen wir verhindern: die IT soll Werkzeug sein und bleiben, das wir Menschen in unserem Sinne und zu unseren Gunsten nutzen können.

Was war aus Ihrer Sicht die erste Aufgabe der Stiftung?

Die erste Aufgabe sah ich für meine Stiftung darin, gute Ideen für die humane Nutzung der IT durch einen Stiftungspreis zu generieren und zu belohnen. Als Vorbild bot sich der damals bereits seit 10 Jahren von der INTEGRATA AG vergebene Preis für integrierte Datenverarbeitung an, den der neue Eigentümer nicht übernehmen wollte. Er wurde umgewidmet in einen Preis für humane Nutzung der IT. Anstatt Kosten zu sparen und Gewinne zu erwirtschaften, soll nun die Lebensqualität der Mitarbeiter bzw. aller Menschen im Mittelpunkt unserer Bestrebungen stehen! So wurde aus Rationalisierung-Humanisierung!

Sie sprechen hier sehr allgemein von Humanisierung, Lebensqualität und humane Nutzung der IT-können Sie diese Begriffe einmal etwas konkretisieren?

Gerne; denn viele, die von uns angesprochen werden, reagieren erst einmal mit Unverständnis. Deshalb ist eine Konkretisierung auch in unserem Interesse. Sie ergab sich im Laufe der ersten Jahre durch die Preisausschreibungen zu jeweils verschiedenen Themen: IT in der Gesundheit, IT bei der Arbeit. IT in der Politik-da lag es nahe, einen Katalog von Einsatzgebieten für die humane Nutzung der IT auszuarbeiten und unsere sozial.ethische Haltung dazu stichwortartig zu umreißen. So entstanden unsere 10 Thesen zur Verbesserung der Lebensbedingungen durch humane Nutzung der Informationstechnologie.

Sind diese zehn Thesen für Sie so etwas wie ein Ersatz der zehn Gebote?

Nein-das wäre ein schlimmes Missverständnis. Sie sind eher Teil eines sozial-ethischen Programms, das unsere Bestrebungen verdeutlichen soll. Als solches ist es tolerant gegenüber anderen Programmen, mit denen wir mehr oder weniger im Wettbewerb liegen-und es ist nicht für die Ewigkeit gedacht: jede Generation wird und sollte unsere 10 Thesen erneut bewerten; denn was human ist, kann nicht für die Ewigkeit definiert werden. Es wird vielmehr von den Menschen ihrer Zeit immer wieder neu bestimmt werden müssen. In diesem Sinne ist auch der Wolfang-Heilmann-Preis eine Aufforderung an alle, mitzuarbeiten an der Schaffung.

Welche anderen Aktivitäten hat die Stiftung noch in die Wege geleitet, um die Vision einer humaneren Welt durch IT-Einsatz zu fördern?

Oh, da laufen inzwischen einige Projekte, die ich hier nun kurz nennen will:

  • das Qualitätssiegel-Etablierung eines Zertifikats zur humanen Nutzung der IT
  • Polit@ktiv-Bürgerbeteiligung im Netz
  • Das Expertenforum für Bürgerbeteiligung sowie verschiedene Workshops, Seminare u.a.

Ganz besonders hervorheben möchte ich Polit@ktiv, unsere bereits seit einigen Jahren laufende Partizipationsinitiative zur Bürgerbeteiligung. Diese Idee meines Kollegen Michael Mörike, deren Umsetzung er selber als Zustifter finanziert, wird bereits in vielen Städten Baden-Württembergs praktiziert. Unsere Software für Bürgerbeteiligung gehört dort zum Inventar der Städteplaner, den den Bürger damit rechtzeitig in den Planungsausschuss- und Entscheidungsprozess für städtische Erweiterung- und Verschönerungsprogramme einbeziehen.

Das ist zweifellos ein guter Ansatz-aber was tun Sie, um anderen Menschen-ja die ganze Gesellschaft mit Ihrer Botschaft zu erreichen?

Da kann ich auf den erfolgreichen Start unseres HumanIThesia-Portals verweisen. Dieses Portal ist der breiten Diskussion des gesamten Themas der humanen Nutzung der Informationstechnologie gewidmet: Vom Wissenschaftler über den Programmierer und Produzenten bis hin zum Konsumenten kann jeder, der etwas dazu beitragen will, mit diskutieren und Vorschläge zur Verbesserung unseres Lebens mit und durch IT machen.

Sehen Sie das HumanIThesia-Portal als das Herzstück der Stiftung?

In Zukunft könnte es sich so entwickeln. Es gibt ja viele Beispiele in der noch kurzen Geschichte der IT. Aber wir sind keine Wunderkinder und auch keine Massenhelden oder neureiche Verführer. Wir fordern die Menschen zum Nachdenken und beherzten Handeln auf. Die Auseinandersetzung zwischen Mensch und Computer und den geistigen Kampf um eine humanere Welt müssen alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam führen. Es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Menschen aus allen Bereichen des Lebens, jung und alt, am HumanIThesia-Portal beteiligen werden, um die informationstechnologische Entwicklung in die richtige Richtung zu führen-zum Wohle jedes einzelnen Menschen und des Menschen als Gattung. Unser Stiftungsziel nicht nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers der Humanität.

Herr Dr. Heilmann, wir danken Ihnen für das Interview.

Das Interview führte Sascha Blättermann 2017.

Idee und Leitbild

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Seit den Anfängen 2011 haben bereits viele Kommunen Projekte mit und über die von Michael Mörike initiierte Online-Plattform realisiert.

Wolfgang-Heilmann-Preis

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