Der Stifter

Prof. Dr.
Wolfgang Heilmann

Er entwarf schon lange vor Gründung der Stiftung soziale Utopien und fragte, wie technischer Fortschritt dazu beitragen kann, Gesellschaft menschlicher zu gestalten.

Prof. Dr. Wolfgang Heilmann

Stifter und Gründer

Prof. Dr. Wolfgang Heilmann

Stifter · Gründer · Ehrenpräsident 1930–2022

Bevor Wolfgang Heilmann seinen Ideenreichtum und Gestaltungswillen den Visionen einer Humanisierung mittels Informationstechnologie widmete, war er erfolgreich unternehmerisch tätig.

Außerordentlich früh erkannte er die Bedeutung der Informationsverarbeitung für die unternehmerische Tätigkeit: Bereits 1962 beschrieb er im Aufsatz „Gedanken zur integrierten Datenverarbeitung“ die Möglichkeit, Büroarbeit zu mechanisieren und Arbeitsgänge zu integrieren.

Lebensweg

Kurzvita

1930
Geboren in Niederschlesien, aus dem er in seiner Jugend vertrieben wurde.
1951
Abitur in Alfeld an der Leine.
1959
Promotion an der Universität Tübingen bei Prof. Dr. Hero Moeller mit der Arbeit Die Sozialutopien und der Sozialutopismus. Eine Untersuchung über die Grenzen der Sozialpolitik, nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Philosophie in Frankfurt am Main und Tübingen. Im selben Jahr erschien Von der Utopie zur Ideologie.
1964
Gründung der „Arbeitsgemeinschaft für integrierte Datenverarbeitung“, der späteren INTEGRATA, nach Tätigkeiten bei IBM Deutschland in Stuttgart und der Maschinenfabrik Gustav Wagner in Reutlingen.
1995
Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz.
1999
Honorarprofessur an der Universität Karlsruhe zum Thema Telearbeitsprozesse. Zuvor Lehraufträge in Tübingen und Stuttgart sowie Gastprofessuren an der Tongji-Universität Shanghai, der Universität Dresden und der Lomonossow-Universität Moskau.
2000
Gründung der Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie.
2016
Ehrenpräsident der Integrata-Stiftung.

Herkunft der Stiftung

Die INTEGRATA

Das Kapital der Stiftung stammt aus dem Verkaufserlös der Integrata Unternehmensberatung, die Wolfgang Heilmann 1964 gegründet hatte.

Nach Tätigkeiten bei IBM Deutschland in Stuttgart und der Maschinenfabrik Gustav Wagner in Reutlingen gründete er 1964 die „Arbeitsgemeinschaft für integrierte Datenverarbeitung“. Die als Mitarbeitergesellschaft geführte Integrata Unternehmensberatung entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der führenden Beratungsgesellschaften in Deutschland.

1989 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Tochtergesellschaften waren die Integrata Training AG, die Integrata Unternehmensberatung und Integrata International mit Sitz in der Schweiz. Die Training AG wurde zum größten Schulungshaus für IT in Deutschland und war seit 1997 an der Stuttgarter Börse notiert. Im Juli 1998 übernahm die französische Unilog die Aktien.

Unter seiner Führung schulte und bildete die Integrata über Jahrzehnte von Tübingen aus im deutschsprachigen Raum Tausende von Menschen im Bereich Informationstechnik weiter.

Wie er geführt hat

Humane Idee in der Praxis

Was „humane Nutzung“ für ihn bedeutete, zeigte sich zuerst im eigenen Unternehmen.

Das Unternehmen blühte in den Achtzigerjahren auf und schuf Hunderte von Arbeitsplätzen. Es wurde früh mit Beteiligungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden geführt; Wolfgang Heilmann unterstützte als Unternehmer selbst den Aufbau eines Betriebsrats.

Die Integrata bezog Räume im ehemaligen Zankerwerk in Tübingen, einem Ort, der den technologischen Wandel von Mechanik zu Computertechnologie sichtbar machte.

Auch die Förderung der Kunst war ihm ein besonderes Anliegen. Seine Idee der Konzertvernissagen war zwei Jahrzehnte lang fest in die Firmenaktivitäten der Integrata eingebunden.

Ein persönliches Wort

Warum eine Stiftung

Nach dem Ende des regulären Arbeitslebens verschoben sich seine Interessen noch stärker zur Gesellschaftspolitik. Die Gründung der Integrata-Stiftung machte daraus ein dauerhaftes Projekt.

Die Stiftungsidee entstand aus Gedanken, die Wolfgang Heilmann bereits in seiner Promotion entwickelt hatte. Er übertrug seine Untersuchung über die Grenzen der Sozialpolitik auf die immer wichtiger werdende Informationstechnologie. IT sollte möglichst allen Menschen dienen, nicht nur Rationalisierung und Automatisierung vorantreiben, sondern vor allem die Lebensqualität jedes einzelnen Menschen verbessern.

Der Begriff „human“ sollte sich am biologisch entstandenen Menschen orientieren; als Grundlage zog er den evolutionären Humanismus heran. Weil die gesellschaftlichen Auswirkungen gemeinsam überprüft und diskutiert werden sollten, sprach er auch von demokratischem Humanismus.

Für die Anerkennung der Stiftung war nach den überlieferten Stiftertexten eine Sondergenehmigung des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg erforderlich, weil „humane Nutzung“ im Gesetz nicht als eigener gemeinnütziger Zweck vorgesehen war.

Ziel der Stiftung ist, dafür zu werben, die Lebensqualität der Menschen durch eine humane Nutzung der Informationstechnologie zu verbessern.
aus dem Stiftungszweck

Die Grundlage

Die zehn Thesen

Wolfgang Heilmann formulierte zehn menschliche Lebensbereiche, in denen Informationstechnologie zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen soll. Die Thesen sind als Ziele zu verstehen.

  1. Gesundheit und Wohlbefinden

    Bewahrung und Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Gesundheit.

  2. Sicherheit und Freiheit

    Erhaltung der inneren und äußeren Sicherheit unter Wahrung von Freiheit und Würde des Menschen.

  3. Freizügigkeit und Begegnung

    Herstellung und Sicherung der Freizügigkeit und menschenwürdiger Verkehrsverhältnisse zur persönlichen Begegnung.

  4. Information und Kommunikation

    Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Kommunikationspartnern durch verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen und faire Kommunikation.

  5. Bildung und Ausbildung

    Öffnung des Zugangs zu Bildung und Ausbildung nach Maßgabe des individuellen Leistungsvermögens, zugleich aber Sicherstellung der weltanschaulichen Neutralität von Bildungsvermittlung und Unterhaltung.

  6. Arbeit und Erwerb

    Schaffung von Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten, die auf die Menschen zugeschnitten sind, in ausreichender Zahl und Qualität, um das Gemeinwohl zu fördern und Wohlstand für alle zu erzielen.

  7. Führung und Verantwortung

    Weiterentwicklung der Informationstechnologie zu einem hilfreichen Instrumentarium für die Führung von Menschen durch Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft.

  8. Politik und Gesellschaft

    Förderung der Partizipation der Bürger an der öffentlichen Meinungsbildung und Gestaltung des Gemeinwesens im Gleichgewicht von Freiheit, Recht und Gerechtigkeit.

  9. Natur und Umwelt

    Schutz der Natur und der Umwelt vor Raubbau und Zerstörung zugunsten der natürlichen Prozesse und der kommenden Generationen.

  10. Kultur und Religion

    Überwindung des Sinn- und Zeitnotstands moderner Menschen zugunsten einer würdigen Lebensführung mit Muße für Kultur und Religion.

Veröffentlichungen

Schriften des Stifters

Seit 1968 gab Wolfgang Heilmann die „Schriftenreihe für integrierte Datenverarbeitung“ heraus und veröffentlichte mehr als fünfzig Werke. Die vorhandenen Listen machen die Veröffentlichungen wieder zugänglich.

Zum Gedenken

Nachruf

Prof. Dr. Wolfgang Heilmann ist am 25. Juli 2022 verstorben. Trotz gesundheitlicher Probleme blieb er der Stiftung bis ins hohe Alter mit seinen Ideen und Anregungen aktiv verbunden.

Privat war er ein Weltreisender, der nahezu alle Regionen der Erde besuchte, darunter Nordkorea und die Antarktis. Auch hohe Berge lockten ihn: Matterhorn, Mont Blanc und Kilimandscharo gehörten zu den Gipfeln, die er bestieg.

Wenigen Menschen gelingt es, die eigenen Visionen so weit in die Tat umzusetzen wie Wolfgang Heilmann.
Prof. Dr. Eduard Heindl, Nachruf im Schwäbischen Tagblatt, 10. August 2022

Der Preis trägt seinen Namen

Der zunächst als „Preis für integrierte Datenverarbeitung“ vergebene Preis wurde 1999 auf die humane Nutzung der Informationstechnologie ausgerichtet und trägt heute Wolfgang Heilmanns Namen.

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