10 Jahre Integrata-Stiftung

Prof. Dr. W. Heilmann:

 

10 Jahre Integrata-Stiftung

(2000 – 2010)

 

Vortrag anlässlich des 1. Kongresses der Integrata-Stiftung am 14.10.2010 in Karlsruhe

 

Humane Nutzung der Informationstechnologie –

Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie

 

 

 

1.       Zur Vorgeschichte

2.       Die Stiftungsidee

1.   „Informations-Technologie“

2.   „Human“

3.   „Nutzung“

3.       Der Wolfgang-Heilmann-Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie

1998/99:       Telearbeit, Teledienste, Electronic-Commerz

2000:           Telelearning – Aus- und Weiterbildung in einer vernetzten Welt

2001:           Wissensmanagement als Beitrag zur humanen Nutzung der Informationstechnologie

2002:           Telemedizin – die humane Nutzung der Informationstechnologie in der Medizin

2003:           Telemanagement – Führung in virtuellen Organisationen

2004:           Verkehrsentlastung durch Telematik und Telekooperation

2005/06:       Humanere Nutzung der Kommunikations-Technologie

2006/07:       Sicherheit, Information und Medienkompetenz

2007/08:       Bürgernahe Anwendungen der Informations- und Kommunikations-Technologien

2009/10:       Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie

4.       Zehn Thesen zur humanen Nutzung der Informationstechnologie

5.       Das HumanIThesia-Portal

6.       Die Weitergabe des „Feuers der Humanität“

 

Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich zu Beginn meines Beitrags etwas weiter zurückgehen, nämlich bis in die Zeit, als die Informationstechnologie als maschinelle, später dann elektronische Datenverarbeitung Einzug in Wirtschaft und Gesellschaft hielt. Damals etablierten sich viele Berater für den Einsatz dieser neuen, zukunftsweisenden Technologie. Sie fungierten gewissermaßen wie organisatorische Hebammen. Auch ich war als Berater und Referent für die Einführung der Datenverarbeitung unterwegs, und das Geschäft florierte. Bald entstanden aus Einmannunternehmungen kleine und auch größere Beratungsunternehmungen, Softwarehäuser und Schulungsinstitute.

Als ich 1964 als einer der ersten Gründer in diesem Wirtschaftszweig auf den Plan traf, stand für mich der Ganzheitscharakter der Arbeit im Vordergrund der Überlegungen. Deshalb nannte ich meine Gesellschaft Integrata-Arbeitsgemeinschaft für integrierte Datenverarbeitung.

Diese Gesellschaft entwickelte sich rasant im gesamten deutschsprachigen Raum. Sie wurde zunächst in eine GmbH und dann in eine AG umgewandelt und 1989 als Internationale Gesellschaft für Rationalisierung, Automatisierung und Technologie-„Austausch“ ins Handelsregister eingetragen. Darin kommt zum Ausdruck, dass sich ihre Hauptaufgabe – wie es für die Softwarebranche typisch ist – die rationelle Nutzung der Informationstechnologie herausgebildet hatte.

Nach meinem altersbedingten (1998) Ausscheiden aus der INTEGRATA AG hatte ich wieder Zeit, über die wirtschaftlichen Aspekte hinauszudenken und die gesellschaftliche Entwicklung unter dem Einfluss der Informationstechnologie näher ins Auge zu fassen. Mir wurde klar, dass die Rationalisierung und Funktionalisierung unseres Lebens durch Informationstechnologie bald negative Folgen haben würden, wenn es keine Gegenbewegung gäbe. Aus der Wirtschaft selbst war das aber nicht zu erwarten. Wirtschaftliche Unternehmen investieren, um zu rationalisieren und Gewinne zu erzielen, nicht um gesellschaftliche Probleme zu lösen. – Sie schaffen betriebswirtschaftlichen Mehrwert. Ob sich daraus auch ein gesellschaftlicher Mehrwert entwickelt, ist oft erst im Nachhinein zu erkennen. Hingegen bemühen sich gemeinnützige Institutionen von Anfang an gezielt darum und übernehmen damit eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe.

Meine eigene Aufgabe als Stifter sah ich darin, das Innovationspotential der Informations- und Kommunikationstechnologie für humane Zwecke zu erschließen und deshalb errichtete ich im Jahr 2000 die Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie.

2.       Die Stiftungsidee

Im Namen kommt die Stiftungsidee bereits zum Ausdruck. Abgesehen davon, das ich meine Stiftung „Integrata-Stiftung“ genannt habe, um an die Bekanntheit dieses Namens anzuknüpfen, sind es vor allem die folgenden Begriffe, die das verdeutlichen:

2.1       „Informations-Technologie“

Dieser Begriff besteht aus zwei Wortstämmen, von denen der eine, nämlich Technik gleich zu relativieren ist. Uns interessiert die Technik zwar sehr, aber nur insoweit, als sie Auswirkungen auf das gesellschaftliche Geschehen hat. Deshalb unterscheiden wir zwischen einem instrumentalen und einem organisatorischen Begriff. Während der instrumentale, apparative Aspekt durch „Technik“ gemeint ist, bezeichnet „Technologie“ die Methoden und Verfahren, d.h. die gesamte Organisation des technischen Betriebs und alle gesellschaftlich relevanten Anwendungen. Das ist ein sehr großer Bereich, ein für eine kleine Stiftung wie die Integrata zu großer „Happen“.

Obwohl die „Technik“ augenscheinlich unser Leben bestimmt und darüber entscheiden wird, ob wir als Menschen der Naturkatastrophen und des Hungers in der Welt Herr werden können, haben wir uns auf die IT konzentriert, die derzeit nur einen bescheidenen Beitrag dazu liefert. Wir dürfen unsere Kräfte nicht verzetteln und richten sie deshalb gezielt auf einen Technologie-Bereich, der seine größten Entwicklungen noch vor sich hat: die Informationstechnologie.

Unser Stiftungsobjekt umfasst also alle informationstechnologischen Strukturen und Prozesse innerhalb der menschlichen Gesellschaft. Dazu gehören insbesondere Software-Systeme sowie konkrete Anwendungen und Praktiken der Informationstechnologie, einschließlich der erkennbaren Entwicklungstrends und ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft. Da es sich dabei um eine globale Problematik handelt, die in regional unterschiedlichen Erscheinungsformen auftritt, konzentrieren wir uns weiterhin zunächst auf die deutschen Verhältnisse, unter Beachtung der internationalen Entwicklungen.

2.2       „Human“

Auch diesen Begriff will ich nur kurz erläutern. Ohne auf die historische und philosophie-geschichtliche Entwicklung näher einzugehen möchte ich sagen, dass wir darunter weniger eine Eigenschaft als vielmehr eine Zielsetzung verstehen: wir wollen, dass die Informationstechnologie human eingesetzt wird. Sie soll auf den bzw. die Menschen hin ausgerichtet werden, ihn fördern, statt physisch oder psychisch zu verletzen. Anders ausgedrückt: sie soll menschengerecht gestaltet werden, also: menschlich sein!

Diese Forderung stellen wir in den Mittelpunkt unserer Stiftungsarbeit. Was das konkret heißt und welche konkreten Handlungsanweisungen oder Gebote sich daraus ergeben – das zu sagen, war jahrtausende lang die wichtigste Aufgabe der Religionen und Philosophien. Für viele Menschen ist das immer noch so. Immer mehr gehören aber keiner Religionsgemeinschaft mehr an und glauben auch nicht an Philosophen, sie haben ihre eigenen Vorstellungen von Menschlichkeit. Die Politik ringt darum, Humanität („Menschenrechte“) staats- und zivilrechtlich zu definieren und in der Weltpolitik durchzusetzen, für alle Menschen. Bisher mit begrenztem Erfolg.

Wir wollen an dieser Aufgabe mitarbeiten, und Beiträge zu mehr Menschlichkeit durch den Einsatz von Informationstechnologien leisten – wohl wissend, dass der Inhalt dieser Beiträge immer wieder neu definiert werden muss, weil sich mit der Informationstechnologie auch die Menschen weiterentwickeln und immer neue Horizonte der Menschlichkeit erscheinen. Deshalb wird unsere Aufgabe weitergehen: Es ist kein Ende abzusehen, vielmehr bleibt die Aufgabe bestehen, die Menschlichkeit immer wieder neu zu bestimmen und die Idee der Humanität wie eine Fackel durch die Generationen zu tragen.

2.3       „Nutzung“

Der dritte Begriff, der im Stiftungsnamen enthalten ist, wird oft weggelassen. Wir leben in einer schnellen Zeit, und lange Namen und umständliche Begriffe werden durch Kürzel ersetzt, um schneller zum Kern der Dinge zu gelangen. Eine „humane Informationstechnologie“ sagt aber nicht das aus, was humane Nutzung der Informationstechnologie meint. Wir wollen durch das Wort „Nutzung“ ja gerade die Aktivität und Selbstverantwortung der Menschen ansprechen, die in der Auseinandersetzung mit der Informationstechnologie erforderlich ist. Insofern knüpft „Nutzung“ an das zum Begriff „human“ Gesagte an, bestimmt diesen näher, nämlich im Sinne der Herrschaft über die Informationstechnologie. Es wäre in unserem Sinne also inhuman, wenn Computer und Netze uns Menschen irgendwann beherrschten, uns Anweisungen gäben, die wir auszuführen hätten oder Gebote und Verboten erließen, die unsere Moral und unser Verhalten bestimmten. Wir sehen in der gesamten Informationstechnologie ein äußerst hilfreiches Werkzeug – in der Regie von Menschen – und setzen uns nach Kräften dafür ein, dass es so bleibt.

Diesen Worten wird vermutlich Jeder zustimmen. Das Problematische ist aber, dass Werkzeuge bzw. der Werkzeugeinsatz eine mehr oder weniger nachhaltige Rückwirkung auf Menschen haben. Das ist im Alltag jederzeit nachprüfbar, in der Fabrik, im Büro oder im Haushalt, selbst in der Freizeit. Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang zwischen Werkzeuggebrauch und Menschheitsentwicklung in unserer Geschichte. Ich will das hier nicht weiter erläutern, weil dieser Zusammenhang ja fast allgemein bekannt ist, ich möchte nur darauf hinweisen, dass mit der Informationstechnologie ein Werkzeug in die Welt gekommen ist, das unseren Geist direkt beeinflusst und also besser Denkzeug genannt werden sollte. Dieses Denkzeug ist dabei, das Verhältnis zwischen „Herr und Diener“ umzukehren. Einige unter uns sehen das vielleicht gelassen, weil sich durch Computer und Netze erstmals in der menschlichen Geschichte die trügerische Vision einer neuen Spezies einstellt, die alles besser machen kann und besser machen wird.

Wir zweifeln an dieser Vision und glauben an den Menschen, der sich die Herrschaft über das Denkzeug nicht nehmen lassen, und um die immer wieder neu zu bestimmende Humanität kämpfen muss. Der Mensch ist nach unserer Überzeugung ein weder geistig noch körperlich festgelegtes, sondern ein werdendes Wesen. (Zur Stiftungsidee insbes. W. Heilmann, Die Stiftungsidee als Gestaltungsansatz zwischen Befreiung und Entfremdung durch Informationstechnologie, in: Integrata-Stiftung, H. Heilmann (Hrsg.): Humane Nutzung der Informationstechnologie, Heidelberg 2010).

Meine sehr gehrte Damen und Herren, nach diesem Exkurs über Gründungsmotivation und Stiftungsidee möchte ich nun noch ausführlicher auf die Aktivitäten eingehen, die die Integrata-Stiftung im vergangenen Jahrzehnt entfaltet hat. Obwohl es zur internen Arbeit, der Organisation des Stiftungsbetriebs und den Personen, die durch ihre gemeinnützige Arbeit dazu beigetragen haben, viel zu berichten gibt, will ich mich hier auf ein Wort des Dankes an den Vorstand und die Damen und Herren unseres Kuratoriums und des Fachbeirats beschränken. In den Mittelpunkt meiner Ausführungen stelle ich die Personen und Leistungen, mit denen die Stiftung bisher in der Öffentlichkeit hauptsächlich in Erscheinung getreten ist: die Preisausschreibungen und ihre Preisträger.

3.       Der Wolfgang-Heilmann-Preis für humane Nutzungder Informationstechnologie

Der nach mir benannte Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie steht in der Nachfolge des von 1988 – 1999 von der INTEGRATA AG verliehenen Preises für integrierte Datenverarbeitung. Im Fokus des „INTEGRATA“-Preises standen die Funktionalisierung und Rationalisierung des Computereinsatzes. Die Umpolung auf den neuen Schwerpunkt „Humanisierung“ begann bereits vor der Errichtung der Stiftung in den Jahren 1998 und 99 mit den Preisthemen „Telearbeit“, „Tele-Dienste“ und „E-Commerce“. Nach dem Eigentümerwechsel bei der INTEGRATA AG und der Übernahme des Preises durch die Stiftung (2000) wurde das Anliegen der humanen Nutzung der Informationstechnologie dann immer deutlicher artikuliert.

Ich möchte noch hinzufügen, dass der Preis jetzt mit € 10.000,- dotiert ist und auf bis zu drei Preisträger verteilt werden kann. Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury, die sich aus Persönlichkeiten der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft zusammensetzt. Entscheidungen der Jury sind endgültig und können nicht angefochten werden. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich.

Lassen Sie mich nun mit den Preisausschreibungen von 1998/99 beginnen; weil die damals ausgeschriebenen Preisthemen – insbesondere die Telearbeit – die Wurzeln der Stiftungsidee sind.

1998/99:         Telearbeit, Teledienste, Electronic-Commerz

Die ersten Anfänge dessen, was wir heute Telearbeit nennen, liegen in England. Dort gründete Steve Shirley 1962 eine Firma für heimarbeitende Programmierer. Erst ungefähr zehn Jahr später kam die Kunde von einer Chicagoer Bank zu uns, die Textverarbeitung per Telex praktizierte. Wiederum einige Jahre später wurden in der Bundesrepublik Deutschland erst einmal Forschungsgelder in das Studium dieses vielversprechenden Phänomens investiert.

Die bekannteste dieser Studien, die Batelle-Studie (1981), an der die Integrata mitwirkte, kam zu dem Ergebnis, dass die Suche nach „elektronisch gestützten Heimarbeitsplätzen“ einer Suche nach der Stecknadel im Heuhafen glich, stellte aber ein Rahmenkonzept für die empirische Forschung auf und führte den Begriff Telearbeit ein.

Auf der Basis dieses Rahmenkonzepts erforschte ich im Anschluss daran (von 1981 – 1985) in Eigenregie im Dienste der Integrata das uns damals besonders interessierende Phänomen der Teleprogrammierung. Als empirische Basis standen mir in den USA, England, der Schweiz und in der BR-Deutschland Erfahrungen von 1347 heimarbeitenden Programmieren zur Verfügung. Doch das außerordentliche Entwicklungspotential dieser neuen Arbeitsform war deutlich erkennbar. (Vgl. dazu W. Heilmann: Teleprogrammierung. Die Organisation der dezentralen Software-Produktion. Wiesbaden 1987).

Über die Vor- und Nachteile der Telearbeit wurde zu dieser Zeit zwar heftig diskutiert – viele Führungskräfte und Unternehmen, aber auch die Gewerkschaften, waren gegen diese organisatorisch und soziologisch revolutionäre neue Arbeitsform. – die Gewerkschaften forderten 1983 sogar ein Verbot der Telearbeit – aber sie wurde von immer mehr Menschen angenommen und damit innerhalb eines Jahrzehnts zu einer realistischen Option im betrieblichen Alltag. Heute sprechen nur noch sehr wenige darüber, weil die fortschreitende Elektronisierung und Virtualisierung über das Internet die Unterschiede zwischen Büroarbeit und Telearbeit weitgehend verwischt hat. Man spricht eher von E-Arbeit, E-Health, E-Government etc., aber vor etwa 10 Jahren war es noch keineswegs sicher, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen würde, und daher war es richtig und wichtig, die Telearbeit zum Thema einer Preisausschreibung zu machen. Dieses Thema fand auch eine gute Resonanz, und aus der Vielzahl der Einreichungen wurden die Arbeiten von:

  • Christine Meier: Projekt „Online Forum Telearbeit“ (OnForTe) und
  • Birgit Godehardt: „Teleworking. So verwirklichen Unternehmen das Büro der Zukunft“

mit einem Preis für integrierte Datenverarbeitung bedacht. In beiden Arbeiten wurden zukunftsorientierte Projekte dargestellt und wertvolle Vorschläge zu praktischen Gestaltung von Telearbeitsplätzen für Schreibkräfte, Programmierer und andere klar abgrenzbare Büroarbeiten gemacht.

Ein Jahr später (1999) standen als „Verwandte“ der Telearbeit die kommerziell orientierten „Teledienste“ und das „Electronic Commerce“ zur Debatte. Die Preisjury entschied sich, den 1. Preis einer Arbeit mit einem mehr organisatorischen Schwerpunkt zuzubilligen, nämlich:

  • Prof. Dr. Helmut Krcmar für das Forschungspilotprojekt „Cuparla – Telekooperation im Stuttgarter Kommunalparlament“.
  • Der 2. Preis für Dr. Hans Dieter Zimmermann, Brigitte Buchet und Dorian Selz von der Forschungsgemeinschaft „Business Media“ für ihr gleichnamiges Presseprodukt traf das 2. ausgeschriebene Thema.

Damit wurde der Rahmen der Telearbeit endgültig überschritten, und es wurde erkennbar, dass die Fortschritte in der Telekommunikation und bei den „Diensten“ dazu führen würden, nicht nur klar abgrenzbare, einfache Büroarbeiten, sondern auch anspruchsvolle, verknüpfte geistige Arbeiten und Projekte dezentral und kostengünstig auszuführen. Das Zeitalter der Teleprozesse hatte begonnen.

Das Besondere an einem Teleprozess ist die räumliche und zeitliche Entkopplung durch Nutzung von Kommunikationsnetzen. Sie machen es möglich, Informationen unabhängig von Ort und Zeit zu verarbeiten, also geistige Prozesse von überall her zu empfangen und überall hin zu senden. Damit ist die Informationsverarbeitung „ubiquitär“ geworden.

2000:               Telelearning – Aus- und Weiterbildung in einer vernetzten Welt

Als die Stiftung im Jahre 2000 ihre Arbeit aufnahm, wurde aus den vielen Teleprozessen schließlich Telelearning ausgewählt und ausgeschrieben. Die Preisjury war sich im Klaren darüber, dass die besondere Qualität des neu formulierten Preises, nämlich die Fokussierung auf die humane Nutzung der Informationstechnologie, die Zahl der Einreichungen stark einschränken könnte, aber tatsächlich standen schließlich genügend viele Beiträge mit dieser Intension zur Auswahl.

Sie wurde von einer kompetenten Jury unter Verwendung eines Nutzwertanalyse-Kalküls vorgenommen. Nicht zuletzt wegen der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten wurden sogar vier Preise vergeben:

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Maurer erhielt für sein Software-System „GENTLE – General Network Training and Learning Environment“

den 1. Preis.

Hier wurden alle damaligen Möglichkeiten der Web-Technologie genutzt, um den Fehler des isolierten Einsatzes computerunterstützten Lernens und Lehrens ohne Berücksichtigung des individuellen Menschen zu vermeiden. So wird die Kommunikation der am Lernprozess beteiligten Partner ermöglicht, und durch gezielte Fragen- und Antwortdialoge unterstützt.

Die zwischenmenschliche Kommunikation steht auch beim 2. Preis im Mittelpunkt, der gleich hoch dotiert war wie der erste und an:

  • Dr. Frank Welz für das Projekt „LEC – Lehrverbund European Social Structure & CulturalGlobalization“ ging.

„Der Lehrverbund basiert“ – wie der Laudator Prof. Dr. Bernd Jahnke von der Jury ausführte – auf der virtuellen Vernetzung der Partnerinstitute an den Universitäten New Dehli, Sussex, Wroclaw, Brno und Freiburg . Er zielt auf prozessorientiertes globales Lernen zu Themen des sozioökonomischen und kulturellen Strukturwandels unter dem Aspekt und dem Druck der Globalisierung.

Neben diesen beiden herausragenden Arbeiten wurden noch zwei weitere bemerkenswerte Einreichungen mit Preisen bedacht, nämlich die Magisterarbeit von:

  • Susanne Oppitz mit dem Titel„Bildung aus dem Netz: Qualitätskriterien für Telelern-Projekte im Internet und Intranet“
  • sowie die Diplomarbeit von Sven Bauer über „Management der Telearbeit und Telemanagement“.

Dieses letzte Thema traf zwar nicht den Ausschreibungstext, wohl aber die übergeordnete Intention unseres Preises, die humane Nutzung der Informationstechnologie, die im Telemanagement eine besondere Ausprägung erreicht. Das Thema wurde deshalb etwas später (2003) ausgeschrieben. Im Folgejahr 2001 stellten wir erst einmal das aktuelle Wissensmanagement zur Diskussion.

2001:               Wissensmanagement als Beitrag zur humanen Nutzung derInformationstechnologie

Unter Wissensmanagement verstehen wir den gezielten Umgang mit Informationen zur Wissensvermittlung, Wissensverteilung und Wissensnutzung durch den Menschen. Vereinfachend gesagt sind Informationen objektive Sachverhalte, die unabhängig von einzelnen Menschen existieren. Wissen selbst wird erst durch Lernen im Bewusstsein des Menschen gebildet. Wissensmanagement sorgt nun dafür, dass Wissen zur richtigen Zeit am richtigen Ort und in der richtigen Form beim Menschen (Mitarbeiter oder Team) verfügbar ist. „Wissen kann aber nur dann erfolgreich bereitgestellt werden, wenn es für alle Beteiligten eindeutig beschrieben und damit ohne Missverständnisse kommunizierbar wird“ – so Prof. Heidi Heilmann, die die Laudatio hielt.

„In der Forschungsgruppe Wissensmanagement der Universität Karlsruhe wurde ein solcher ganzheitlicher Ansatz für Wissensmanagement-Systeme konzipiert“. Er beruht auf formalen Begriffssystemen (Ontologien) und stellt verschiedene Methoden zum intelligenten Zugriff auf und die Nutzung von Wissen zur Verfügung, insbesondere die Inferenzmaschine Ontobroker. Dadurch wird die Qualität des Wissensmanagements erheblich verbessert und der Zeitbedarf für die Erfassung und Nutzung von Wissen deutlich verringert.

Dafür wurde dem Leiter der Forschungsgruppe

  • Herrn Prof. Dr. Rudi Studer für seine Einreichung„Arbeitsgerechte Bereitstellung von Wissen – Ontologien für das Wissensmanagement“ der 1. Preis verliehen.

Weitere Preise erhielten:

  • Dr. Horst Ibelgaufts für seine„COPE – Cytokines Online Pathfinder Encyclopaedia“,

ein im Internet frei verfügbares Lexikon zur Proteinforschung mit ausgefeilter Verknüpfungstechnik und automatischer Verlinkung der medizinischen Spezialbegriffe und

  • Prof. Dr. Hardo Sorgatz von der Gesellschaft Arbeit und Ergonomie – online e.V. für ihren Internet-Informationsdienst zum betrieblichen Arbeitsschutz„www.ergo-online.de“.

Die ausgezeichneten Arbeiten sind überzeugende Beispiele für angewandtes Wissensmanagement und liefern wertvolle Beiträge zur humanen Nutzung der Informationstechnologie. Die Chance dazu sehen wir vor allem in der Sammlung, Ordnung und Bereitstellung von Informationen über das Internet, die Jeder als Wissensquelle für sein geschäftliches und privates Leben nutzen kann. Die Wissensmehrung, die dadurch möglich wird, kann nicht nur das Selbstbewusstsein eines verantwortungsvollen Menschen stärken, sondern Menschen ganz allgemein zu einer besseren Einsicht und zu einem besseren Zusammenleben führen.

2002:               Telemedizin – die humane Nutzung der Informationstechnologiein der Medizin

Konkreter noch und direkter als das Wissensmanagement trägt die moderne Medizin zur Erleichterung unseres individuellen Schicksals und zur Verbesserung des Lebens für die Menschheit bei. Sie ist zweifellos eine der folgenreichsten Errungenschaften naturwissenschaftlicher Forschung und technischer Entwicklung. Die Informationstechnologie ist inzwischen nicht mehr aus der Medizin wegzudenken. Nicht nur in der medizinischen Verwaltung, sondern in Forschung, Entwicklung, Diagnose und Therapie werden zunehmend informations- und kommunikationstechnologische Verfahren und Instrumente eingesetzt. Die Preisjury hat diese Entwicklung frühzeitig aufgegriffen und bereits in der Preisausschreibung für das Jahr 2002 Beiträge zur „Telemedizin“ aufgerufen. Die Folge war eine große Zahl von Einreichungen zu Patienteninformationssystemen, Telediagnostik, Teleradiologie, Telekonsultation und Telemonitoring, von denen sich die folgenden Arbeiten besonders auszeichneten:

  • Prof. Dr. Manfred Dietel und Dr. Peter Hufnagl von der Berliner Charité erhielten den Hauptpreis für„UICC Telepathology Consultation Centers“.

Die „Charité“ wurde 1999 von der Weltkrebsgesellschaft als Zentralstelle für ein weltweites Telepathologie-Netz ausgewählt und stellt Verbindungen zu ausgewählten Experten her, um histologische Bilder sehr schnell beurteilen zu lassen. Die Therapie kann daher sehr viel genauer agieren und schneller: über das weltweite Netz sind die Diagnosen um Tage früher beim verantwortlichen Arzt. Dies bedeutet für den Patienten – so der Laudator Dr. Eduard Heindl u. a. – eine Verbesserung der Lebensqualität und größere Chance für eine erfolgreiche Behandlung.

Neben der Arbeit von Dietel und Hufnagl wurden noch zwei weitere herausragende Arbeiten durch eingeladene Vorträge repräsentiert, die hier der Kürze der Zeit wegen nur erwähnt werden können:

  • Dr. Matthias Matzko: „Elektive Betreuung von Computertomographen mit teleradiologischgestützter Notfallbefundung“ und
  • Dr. Karl A. Stroetmann u. Dr. V.N. Stroetmann: „Telemonitoring für chronisch kranke Risikopatienten zu Hause“.

Hier wurden die Ergebnisse einer klinischen Vergleichsuntersuchung vorgelegt, die den tatsächlichen Nutzen der Technologie aufzeigen. Er führte in den folgenden Jahren zu einem immer stärkeren Einsatz von Computern und Netzen in allen Bereichen der Medizin – „Telemedizin“ ist zum umfassenden „E-Health“ geworden.

Diese rasante technologische Weiterentwicklung fand in den vergangenen Jahren auch in anderen Bereichen unseres öffentlichen und privaten Lebens statt; z.B. im Sicherheitsbereich, bei Kontroll- und Überwachungsprozessen und selbst bei den IT-Anwendungen in Wirtschaft und Verwaltung brachte die „Virtualisierung“ große Veränderungen. Sie erlaubt es, Systeme aller Art informationell über das Netz abzubilden, zu steuern und zu kontrollieren. Virtuelle Systeme stellen eine ganz neue raum- und zeitübergreifende, dynamische Kraft dar, die stärker ist als die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit. Sie werden sich hinsichtlich Größe, Komplexität und Verhalten weiterentwickeln. Als äußerst komplexe und d.h. probalistische Systeme mit vielen Freiheitsgraden lassen sie sich weder vollständig beschreiben noch vollständig manipulieren. Um sie zu beherrschen, werden äußerst leistungsfähige Führungsprozesse und -strukturen gebraucht – vor allem aber geeignete, starke Führungspersönlichkeiten – darum ging es in der folgenden Preisausschreibung:

2003:               Telemanagement – Führung in virtuellen Organisationen

Die Preisausschreibung 2003 erbrachte wieder – wie Dr. Gilbert Anderer in seiner Laudatio feststellte – interessante und vielfältige Forschungsansätze, von denen drei prämiert wurden. Der 1. Preis wurde:

  • Frau Dr. Josephine Hofmann für ihre Präsentation mit dem Titel „Mediale Inszenierung virtueller Teamarbeit“ verliehen.

„Diese der Theaterwelt entlehnte Metapher unterstreicht bei der Gestaltung von virtuellen Teams die Wirkung medialer Filter auf die Kommunikation und die Notwendigkeit aktiver, vorausschauender Planung seitens der Teammitglieder“ – so der Laudator weiter – „Die Zusammenarbeit über Telemedien erfordert anders als die Arbeit bei räumlicher Nähe die reflektierte Selbstdarstellung, die unterschiedlichen Wahrnehmungspräferenzen der Teammitglieder und die Notwendigkeit, sich im Team über gemeinsame Regeln und Standards für die Kommunikation explizit zu verständigen. Der Ansatz ist umfassend und praxisnah ausgearbeitet. Er ist außerdem sehr kreativ und innovativ“.

  • Von einer ganz anderen Seite nähert sich das Team von Frau Dr. Anke Schüll dem Thema. Sie sprach in ihrem geladenen Vortrag über„Telemanagement – Untersuchung zur Dezentralisierung des Personalmanage-     ments – Dargestellt am Beispiel der Siegener Feuerwehr“.

Ziel ihrer Arbeit war es, ein Personalinformationssystem zu entwickeln. Das Besondere bei Rettungsdiensten und im Katastrophenschutz in unserer Gesellschaft ist, dass sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich Tätigkeiten zu koordinieren sind.

Um die Koordinierung von Menschen bei der Arbeit durch Netze und Computer ging es auch beim 2. geladenen Vortrag von

  • Dr. Matthias Trier zum Thema „IT-gestütztes Management virtueller Communities of Practice“

Das Organisationskonzept der Communities of Practice bietet den Unternehmen die Möglichkeit, parallel zur bestehenden Aufbauorganisation eine zweite virtuelle und netzwerkartige Organisationsform aufzubauen. Diese zusätzliche Kommunikationsstruktur unterstützt insbesondere die Wissensarbeit.

Drei ausgezeichnete Beispiele zum Telemanagement, dessen Verbreitung allerdings von der Entwicklung des E-Management überholt wurde. Unter „elektronischem“ oder „E-Management“ verstehen wir heute das Management ganz normaler Büroprozesse. Sie sind inzwischen ohne Netz und Computer nicht mehr denkbar. Wir benutzen schon dieselben Kommunikationsmittel, die auch für dezentrale Arbeit und für das Telemanagement geeignet sind. (Vgl. dazu und zum Folgenden: W. Heilmann, Tel-e-management, www.integrata-stiftung.de/Leitung_als_Managementaufg.html).

Sind damit auch die beim Telemanagement auftretenden sozialen Probleme der Dezentralisierung gelöst? Bevor auf diese Frage geantwortet werden kann, müssen die miteinander vermengten Begriffe „Führung“ und „Management“ sinnvoll unterschieden werden. Es handelt sich ja keineswegs um Übersetzungen vom Deutschen ins Englische oder umgekehrt, sondern um verschiedene Sachverhalte, die immer wieder durcheinander gebracht werden, nämlich um die Führung von Menschen einerseits (engl. „leadership) und um die sachorientierte Leitung von Prozessen (engl. „control“). Management umfasst „leadership“ und „control“. Deshalb empfiehlt es sich, im Deutschen drei Begriffe zu unterscheiden:

–              Führung für die personenorientierten Aufgaben des Managements

–              Leitung für die sachorientierten Aufgaben des Managements und

–              Management als Zusammenfassung beider Aufgaben.

Die Leitung der Business-Prozesse wird zunehmend von IT-Systemen wahrgenommen. Die Software ist auf diesen Gebieten zwar nicht so weit verbreitet wie bei den Anwendungen selbst. Aber die CSCW (Computer supported cooperative work), d.h. die computerunterstützte Zusammenarbeit mittels Konferenz-, Workflowmanagement- und Groupware-Systemen sowie durch eine Fülle weiterer Hilfen, entwickelt sich so rasant, dass inzwischen von einer „elektronischen“ Leitung wichtiger Teleprozesse gesprochen werden kann. Unsere Preisarbeiten zeigten ja, dass Manager ihrer Leitungsaufgabe mittels Netz und Computer viel besser gerecht werden können als ohne diese. Werden auch die eigentlichen Führungsaufgaben nach und nach durch das „System“ ersetzt?

Die Kernfrage der Programmierbarkeit von Führungsfunktionen kann dahingehend beantwortet werden, dass nach dem gegenwärtigen Stand der informationstechnologischen Umsetzung zwar große Teile der Leitungsebene programmierbar sind, ähnlich wie die realen Anwendungssysteme. Soweit die eigentlichen Führungsfunktionen betroffen sind, gelangen aber kaum Programme zum Einsatz, und auch die Telemedien treten in den Hintergrund.

Die Führung erfolgt eher in persönlichen Gesprächen zwischen Führenden und Geführten und durch andere, personenorientierte Veranstaltungen und Verhaltensweisen – wenn sie überhaupt erfolgt und das Betriebsklima nicht schon zu stark abgekühlt ist, um Menschlichkeit im Umgang miteinander überhaupt zuzulassen; denn

Menschen wollen von Menschen geführt werden!

Mit dieser Feststellung wenden wir uns erst einmal anderen, nämlich den konkreten Problemen des Güter- und Personenverkehrs zu, denn im Jahre 2004 hieß das Thema unserer Preisausschreibung:

2004:               Verkehrsentlastung durch Telematik und Telekooperation

Warum beschäftigt sich die Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie mit diesem Thema, fragte Dr. Frank Schönthaler, der die Laudatio für die Preisträger dieses Jahres hielt, und er fuhr fort: – „Ein Blick in den Stiftungszweck macht dies deutlich. Dort steht, dass mit den Mitteln der Informationstechnologie dafür zu sorgen ist, dass die mit Hilfe von Computern gestalteten Bereiche des Lebens menschengerechter – ja – menschenfreundlicher“ zu realisieren sind, um Menschen die volle Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu ermöglichen. Der zunehmende Verkehr sei aber längst zu einer Belastung für Umwelt und Lebensqualität geworden.

Wie dieser Entwicklung Einhalt geboten werden kann, ist ein zu großes Thema, als dass es von einigen Preisarbeiten gelöst werden könnte. Aber es wurden viele Arbeiten vorgelegt, die es ermöglichten, Teilbereiche des Verkehrswesens Schritt für Schritt einer menschenfreundlicheren Lösung zuzuführen, so z.B. die, der der 1. Preis zugebilligt wurde. Verantwortlich dafür zeichnete ein Autorenteam vom Center for Digital Technology and Management der Universität München und der Siemens AG:

  • Dr. Uwe Sandner, Dr.-Ing. Michael Lipka, Silvia Appelt, Frank Danzinger, Patrick Nepper, Christian Wachinger: „Virtual Traffic Signs in Centralized Traffic Management“.

„Das ausgezeichnete Projekt zielt darauf ab, ein zentrales Verkehrsmanagement einzuführen. Dem Fahrer stehen über eine ergonomische Anzeige in der Frontscheibe des Fahrzeugs top-aktuell Verkehrszeichen und -hinweise (Virtual Traffic Signs) zur Verfügung, die über eine Funkschnittstelle übertragen werden. Über die Verkehrszentrale (Traffic Management Centre) wird dynamisch der Verkehrsfluss gesteuert. Fundierte Kosten- und Nutzenbetrachtungen runden die Projektarbeit ab“.

„Das Kuratorium würdigte mit der Preisverleihung zunächst den hohen Innovationsgrad der erarbeiteten Konzepte, die einen signifikanten Nutzen für die Gesellschaft versprechen und zwar in ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Gerade mit Bezug zum Stiftungszweck sind auch die Steigerung des Fahrkomforts und in der Folge die Verringerung von Belastungen für den Fahrer und die verbesserte Verkehrssicherheit zu nennen“.

Die beiden anderen, mit Preisen ausgezeichneten Arbeiten:

  • Prof. Dr.-Ing. Wilfried Koch: „RegiDisp – Ein Werkzeug zur Optimierung der Betriebsführung und Erhöhung der Kundenzufriedenheit im ÖPNV“ und
  • Dr.-Ing. Robert Hoyer, Dipl.-Ing. Andreas Hermann, Dipl.-Ing. Olaf Czogalla, Dipl.-Ing. (FH) Joachim Schade, Dipl.-Ing. (FH) Sven Liebing. „Personalisierte intermodale Fahrgastinformationen – Potenziale eines nutzerorientierten Ansatzes“

sagen bereits im Titel aus, dass es sich um praxisorientierte Beiträge handelt, die ganz konkrete Kundenbedürfnisse wie Zuverlässigkeit in der Zeiteinhaltung, Anschlusssicherung und gezielte Information im Störungsfalle (über Mobiltelefon) erfüllen, und damit auch gesellschaftlichen Nutzen stiften könnten.

Unbestritten sind auch der individuelle und der gesellschaftliche Nutzen der Anwendungen, die uns auf die nächste Ausschreibung 2005/06 zugingen, für die wir den Titel:

2005/06:         Humanere Nutzung der Kommunikations-Technologie

gewählt hatten, um der Bedeutung dieses Sektors der Informationstechnologie Rechnung zu tragen. Besonders wichtig erscheint es, die Kommunikation menschlicher zu gestalten, und zwar in dem Sinne, dass

–              alle Menschen freien Zugang zu den Medien erhalten,

–              die Medien ein würdiges Menschenbild repräsentieren und

–              nicht zum Selbstzweck oder kommerziell degenerieren.

Die Informations- und Kommunikationstechnologie soll dem Menschen dienen und ihn zugleich im Sinne der Humanität weiterbilden und formen. Deshalb forderten die Preisträger und Preiskuratoren des Preises für humane Nutzung der Informationstechnologie anlässlich ihrer 1. Preisträger-Tagung im Juli 2006 Wissenschaftler, Unternehmer und die Öffentlichkeit, insbesondere aber alle Politiker auf, neben der Rationalisierung und Funktionalisierung der Humanisierung, d.h. der Menschlichkeit in Information und Kommunikation, in Informationsverarbeitung und Maschineneinsatz stärker Rechnung zu tragen.

Die besten Antworten, die die Bewerber auf unsere Ausschreibung gaben, widmeten sich aber wieder dem Einsatz der Kommunikationstechnologie zur Behebung oder Linderung gesundheitlicher Probleme.

So ging der 1. Preis an den wissenschaftlichen Mitarbeiter am Lehrstuhl für technische Informatik an der Rheinisch-Westfälischen Hochschule Aachen:

  • Dr. Ulrich Canzler für seine„Nicht-intrusive Mimikanalyse“ zur Überwachung des Fahrerzustands im Hinblick auf Müdigkeit, Aufmerksamkeit usw.

Das junge Spin-Off-„CanControls“ hat ein System entwickelt, welches in Echtzeit Merkmale des menschlichen Gesichts analysiert und daran Steuersignale ableitet. Alleinstellungsmerkmal ist die weitgehende Unabhängigkeit von Umgebung und personenspezifischen Besonderheiten (Brille, Bart etc.). Eingesetzt werden kann das System beispielsweise im Reha- und Automobilbereich, sowie in der medizinischen Diagnostik.

„Mit seinen Entwicklungen hat Herr Dr. Canzler auf dem Gebiet der Mimikerkennung eine herausragende und innovative wissenschaftliche Leistung erbracht, die große Auswirkungen auf das Usability Engineering in den verschiedensten Anwendungsbereichen haben wird“ – so Dr. Peter Walti in seiner Laudatio.

Nicht minder eindrucksvoll der zweite Preis, der an ein Autorenteam ging, nämlich:

  • Dr. Jan Marco Leimeister, Uta Knebel, Sebastian Esch, Christian Mauro, Felix Weyde, Prof. Dr. Helmut Krcmar – Technische Universität München undRenate Sedlak, Dr. Clemens Stockklausner, Prof. Dr. Andreas Kulozik – Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg: „OnkoConnect – ein mobiles Patientenassistenzsystem zur Verbesserung der Lebenssituation krebskranker Jugendlicher“.

„In OnkoConnect wird erforscht, welche Unterstützungspotentiale mobile Inforsysteme für krebskranke Jugendliche bieten, und wie durch den Einsatz von Technik die Krankheitsbewältigung begünstigt werden kann. Ziel des Projekts ist es, krebskranken Jugendlichen während der Behandlung und Nachsorge die Kommunikation mit ihrem sozialen Umfeld zu erleichtern, die Zusammenarbeit mit den medizinischen Leistungserbringern zu fördern, die Selbstorganisation zu optimieren und die Übernahme von Eigenverantwortung bei den Patienten zu erhöhen“.

  • Einen weiteren Preis erhielt Dr. Martin Rotard für seine Arbeit: „Standardisierte Auszeichnungssprachen der Computergraphik für interaktive Systeme“.

Martin Rotard stellt neue Verfahren vor, die den Einsatz von standardisierten Auszeichnungssprachen der Computergrafik in den Bereichen Benutzeroberflächen und Lehrmaterialien ermöglichen. Die Ergebnisse entstanden im Rahmen einer Dissertation am Institut für Visualisierung und interaktive Systeme der Universität Stuttgart. Der Schwerpunkt liegt auf der Zugänglichkeit von graphischen Inhalten für blinde Menschen, insbesondere der interaktiven Exploration von taktilen Darstellungen. Damit wird die Forschungstätigkeit von Herrn Dr. Rotard in vorbildlicher Weise der Zweckbestimmung der Integrata-Stiftung gerecht – so der Laudator -. Sie trägt dazu bei, dass die moderne Informationstechnologie einer großen Gruppe von behinderten Menschen eine bessere Teilhabe an der Informationsgesellschaft und damit eine Entfaltung ihrer Persönlichkeit ermöglicht.

Die 4. Arbeit, die wegen ihrer herausragenden Qualität einen Preis erhielt, war die Diplomarbeit an der Universität Frankfurt von

  • Dipl. Kfm. Tobias Scherner mit dem Titel: „Mehrseitige Sicherheit bei Katastrophenschutzanwendungen“.

Tobias Scherner skizziert die Möglichkeiten, die Mobilfunk im Rahmen von Katastropheschutzanwendungen bieten kann! Neben den Vorteilen für Bürger und staatliche Stellen sind jedoch auch mögliche Gefahren zu berücksichtigen, vor allem die Gefährdung der Privatsphäre der einzelnen Bürger.

Diese Arbeit ist eine sehr klare, über das Niveau einer Diplomarbeit hinausgehende Darstellung einer angesichts der sich häufenden Katastrophen aller Art hochaktuellen Thematik und zugleich eine Anwendungsstudie für die Mobilfunk-Technologie.

2006/07:         Sicherheit, Information und Medienkompetenz

Der Nutzen für den Einzelnen und für die Gesellschaft, kurz: der soziale Mehrwert soll durch den Einsatz informationstechnischer Systeme gefördert werden. „Zur Förderung dieser Zielsetzung“ – so heißt es in unseren Statuten – „vergibt die Stiftung jährlich einen Preis für herausragende Beiträge, …, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen sollen. Der pragmatische Gedanke steht dabei im Vordergrund. Es werden vor allem solche Arbeiten gefördert, die einen hohen Realisierungsstand haben und/oder konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lebensumstände aufzeigen“.

Dieser Vorstellung wurden die Preisträger des Jahres 2006/07 in besonderer Weise gerecht. Den ersten Preis erhielten:

  • Prof. Dr. Eduard Heindl und Prof. Dr. Wolfram Reiners von der A3M Deutschland GmbH, Tübingen für ihr „Tsunami-Alarmsystem“.

Dabei handelt es sich um ein preisgünstiges Programm für Mobiltelefone, mit dem die Sicherheit nicht nur der Bali-Urlauber, sondern auch der Bewohner der katastrophengefährdeten Gebiete erhöht werden kann. Mobiltelefone gibt es überall in der Welt. Das preisgekrönte Alarmsystem erfüllt damit eine weitere Vorstellung der Stiftung, die mehr Lebensqualität für alle Menschen fordert – und dazu gehört die Sicherheit.

Der zweite Preis, den ebenfalls ein Autorenteam erhielt, hat zwar andere Schwerpunkte, aber die Sicherheit von Menschen gehört wieder dazu. Er ging an:

  • Prof. Dr. Ralf Reichwald als Projektleiter sowie Prof. Dr. Stefan Reindl und Prof. Dr. Helmut Krcmar von der Technischen Universität München mit ihren Mitarbeitern und Vertretern der Audi AG, dem Institut für Automobilwirtschaft Nürtingen, Geislingen und der TU Darmstadt für: „MACS – Mobile Automotive Cooperative Services“.

Sie sollen den Autofahrern in absehbarer Zeit nicht nur Navigationshilfe sein, sondern individuell konfigurierbare Informationen liefern – wie Notfalladresse, Hotels und Parkplätze sowie weitere logistische Daten und – z.B. für Geschäftsleute – News-Auszüge etc. Besonderns interessant ist die Vorstellung, diese Informationen mittels automatisierter Sprachausgabe präsentiert zu bekommen; denn ein Fahrer, der Tasten und Knöpfe bedienen muss, ist schnell abgelenkt und gefährdet seine Sicherheit und die der Mitfahrer.

Wenn man sich klar macht, welchen großen persönlichen Nutzen bereits ein handelsübliches Navi-System für Autofahrer inzwischen hat, wie viele gewünschte und benötigte Dienstleistungen aber noch nicht vom System erbracht werden, der wird die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet, insbesondere aber die Sprachausgabe sehr begrüßen.

  • Ebenfalls einen Preis bekam Kathrin Richter vom Projektbüro Metschow, Meklenburg-Vorpommern, und zwar für das Projekt „Kurs über Land – Vom Dorf in die Welt“,

das arbeitslosen Menschen Medienkompetenz vermittelt und damit zum Abbau der strukturellen Benachteiligung von Frauen und Männern im ländlichen Raum beiträgt.

Die drei Preise tragen dazu bei – jeder auf seine Weise – unsere Idee von der Steigerung der Lebensqualität durch IT-Einsatz zu konkretisieren und stellen Beispiele bereit, die so oder angepasst an spezielle Umstände, heute bzw. in naher Zukunft übernommen werden können, und das tägliche Leben verbessern können.

Die nächste Preisausschreibung greift diesen Ansatz auf, sie entspricht einem „Call for Papers“ für humane Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese bilden die Eckpfeiler unserer Informations- und Wissensgesellschaft: Am Arbeitsplatz befinden sich elektronische Kommunikationsmittel aller Art, Anwendungsplattformen und Büroinformationssysteme. In der Freizeit sind elektronische Informations- und Austauschplattformen kaum mehr wegzudenken, ganz abgesehen von den Medien Fernsehen, Rundfunk, Presse und Unterhaltungselektronik. Nun wollen die Bürgerinnen und Bürger auch Informationsportale und elektronische Dienstleistungen nutzen, um ihren bürgerlichen Pflichten nachzukommen.

Mit der Durchdringung des Alltags moderner Menschen mit Informations- und Kommunikations-Technologie ist es aber notwendig, dass die Benutzungsschnittstellen und die Informationssysteme nach den Wünschen der Anwender funktionieren und nicht die Technik im Vordergrund steht. Die Preisausschreibung 2007 steht daher unter dem Motto:

2006/07:         Bürgernahe Anwendungen der Informations- und Kommunikations-Technologien

Die folgenden Anwendungsgebiete wurden in der Ausschreibung besonders hervorgehoben:

–              Einsatz sozialer Software und entsprechender Kommunikationsverfahren

–              Adaptionsfähigkeit von Anwendungs- und Kommunikationssystemen

–              Personalisierungskonzepte in Wirtschaft und Verwaltung

–              Benutzergerechte Dialogführung und einfache und nachvollziehbare Handlungsoptionen

–              Verfahren zur Bekämpfung der Internetkriminalität und zur Eindämmung von Spam

–              Einfacher und barrierefreier Zugang zu Portalen und Informationssystemen.

Die zu dieser ausgeschriebenen Kernproblematik eingegangenen Arbeiten erfüllten die Auswahlkriterien der Jury jedoch nicht alle, so dass nur wenige in die engere Wahl einbezogen werden konnten. Die folgenden Bewertungskriterien haben wir mit unterschiedlicher Gewichtung zugrunde gelegt:

–              Übereinstimmung mit dem Ziel der humanen Nutzung der IT                                  (5)

–              Neuigkeit und Kreativität                                                                                           (4)

–              Generalisierungsgrad / Übertragbarkeit                                                                   (4)

–              Praxisorientierung / Benutzerfreundlichkeit / Wirtschaftlichkeit                                (5)

–              Bedeutung / Gewicht / Qualität des Vorschlags                                                       (5)

–              Darstellung (Form, Stil, Transparenz, Medienkompetenz)                                       (2)

Aus diesem Verfahren sind die folgenden Preisträger als Sieger hervorgegangen: Den 1. Preis erhielt wieder eine Arbeit zum Themenkreis „Gesundheit“:

  • Dr. Maik Plischke vom Peter L. Reicherts-Institut für medizinische Informatik, TU Braunschweig: „IT-gestütztes Selbstmanagement gegen Bewegungsmangel undÜbergewicht“.

Hier liegt die Erkenntnis zugrunde, dass 10 – 12 % der Schulanfänger heute übergewichtig und 4 – 6 % gar stark übergewichtig sind. Bis zu 7 % der Fünf- bis Sechsjährigen und bis zu 8 % der Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen sind ebenfalls stark übergewichtig, wobei sich dieser Trend im Erwachsenenalter fortsetzt. Diese Zahlen rütteln auf, und sie unterstreichen die Bedeutung der prämierten Arbeit. Sie zeigt, wie assistierende Gesundheitstechnologien, neuartige Sensorsysteme und sensorerweiterte Informationssysteme in der Analyse körperlicher Aktivität von Jugendlichen eingesetzt werden können. In der Pilotstudie „CyberMarathon“ werden die Erkenntnisse praktisch umgesetzt – mit Ergebnissen, „die in der Presse eine außerordentlich positive Resonanz erfahren haben und mit den Zielen des Preises übereinstimmen“ – so der Laudator Dr. Schönthaler.

Die mit dem 2. Preis ausgezeichnete Arbeit, die von

  • Patrick Nepper von der TU München eingereicht worden ist, beschreibt ein neuartiges Handelskonzept unter dem Titel „YOUSHOP – IT-gestützte Einkaufsberatung und -hilfe für Menschen mit körperlichen Einschränkungen“.

Mitgewirkt haben von der Ludwig-Maximilans-Universität München: Prof. Dr. Dres. H.c. Arnold Picot und die Studierenden Tilman Dingler, Alexander Hoffmann, Julia Ju, Fabian Kneißl, Nicolas Stadtelmeyer und Wolfgang Weinmair.

Von der TU München: Dipl.-Inf. Patrick Nepper und die Studierenden Helmut Müller, Dhananjay Vaidyanathan Rohini und Kevin Wiesner.

„Ziel des YouShop-Konzepts ist es, den Kunden beim Einkauf zu unterstützen und ein einzigartiges Einkaufserlebnis zu bieten. Insofern kann von einer humanen Nutzung von Informationssystemen ausgegangen werden, zumal sich als Zielgruppe behinderte oder auch ältere Menschen geradezu aufdrängen“.

„Das Konzept legt großen Wert auf Ergonomie und Einfachheit der Bedienung, z.B. durch ein interaktives Bedienfeld und Nutzung eines Touch Screens. Die Jury konnte somit Praxisorientierung und Benutzerfreundlichkeit eindeutig bejahen, obgleich bislang noch kein Piloteinsatz erfolgt ist“.

Weiterhin ist positiv zu bemerken ist, dass auch die Gefahren des YouShop-Konzepts diskutiert werden. Die Gefahr des Datenmissbrauchs und die starke Beeinflussbarkeit des Käufers sind nicht zu unterschätzen. Wir fördern daher besonders solche Anbieten, die das kritische Bewusstsein der Nutzer ansprechen und in diesem Sinne Hilfe zur Selbsthilfe geben. Das steht in gewissem Sinne auch bei den beiden folgenden Arbeiten, bei denen es sich um Projekte der Erwachsenenbildung handelt, im Vordergrund.

  • Dr. Andrea Fausel und Welf Schröter nahmen sich des Problems an, „dass im kommunalpolitischen Bereich oft nur unzureichende Kenntnisse über Chancen, Potenziale und Risiken von Electronic Government vorhanden sind, und legten dazu die folgende Arbeit vor: „Gemeinderat auf Draht“ – Weiterbildung und Lernforum für Gemeinderäte und kommunikationspolitisch Aktive.

Das Projekt wurde im Rahmen des „Impuls“-Programms doIT regional vom Januar 2005 – März 2007 durch das Land Baden Württemberg gefördert. „Indem die Arbeiten mithelfen“ – so Dr. Schönthaler – „die E-Government-Kompetenz in den Kommunen zu stärken, Orientierungswissen zu vermitteln und die Grundlagen für sachgerechte Entscheidungen zu schaffen, tragen sie nach Meinung der Preisjury dem Zweck der humanen Nutzung von Informationstechnologien Rechnung“. Das gilt ebenso für

  • Peter Demmer und Konrad Flegr mit der Vorstellung ihrer Lehr- und Lernplattform „www.fragmich.org“ – interaktives Lernforum für Jugendliche.

Die Lehr- und Lernplattform des Zollernalbkreis Jugendrings dient dem Ziel, Allgemein- und Fachwissen zu vervielfältigen und zu demokratisieren sowie Sozialkompetenz zu vermitteln. „Auf der Plattform können Lerneinheiten absolviert, Fragen gestellt und Beiträge in einem Lexikon nachgeschlagen oder eingestellt werden. Kommuniziert wird über Foren, private Mitteilungen oder den Chat“.

Eine wesentliche Stärke des Web-Portals sind Funktionalitäten, die einen hohen Benutzerkomfort sicherstellen. Diese erleichtern den Praxiseinsatz und eröffnen Möglichkeiten zur Übertragung der Konzepte auf andere Anwendungsgebiete. Die Übertragbarkeit von Anwendungsentwürfen und Konzepten schafft gesellschaftlichen Mehrwert, und deshalb wurde sie von uns mit einer hohen Bewertungsstufe belohnt.

Über 30 solcher Anwendungsvorschläge sind in unserer Preisvergabe-History inzwischen der Öffentlichkeit bekannt geworden und stehen Entwicklern und Programmierern damit zur Verfügung. Einige davon haben bereits Unternehmer gefunden, die den Schritt in die praktische Anwendung gewagt haben.

Ein Wagnis bleibt es allemal; denn diese Anwendungen zielen nicht direkt auf betriebswirtschaftlichen Gewinn, sondern auf gesellschaftlichen Nutzen, der sich oft erst spät erweist. Betriebswirtschaftlich gesehen werden eher die Kosten als der Gewinn erhöht. Die heutige Wirtschaftspraxis wird aber weitgehend durch das Gewinnziel gesteuert, soziale Ziele sind auch in Deutschland wieder in den Hintergrund getreten. Aufsehenerregende Firmenzusammenschlüsse haben den Zweck, die Geschäftsprozesse im Interesse des Shareholder Values weiter zu rationalisieren. Dass dabei Arbeitsplätze verloren gehen, wird zumindest hingenommen und mit der weltweit agierenden Konkurrenz erklärt. So wird die Wirtschaft zwar immer leistungsfähiger, doch die Beschäftigten werden immer abhängiger, unfreier. Wirtschaften soll aber allen zugute kommen: Gewinn darf nicht länger Selbstzweck des Wirtschaftens ein, sondern sollte auch zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen verwendet werden!

Solange das noch die Ausnahme ist, und auch öffentliche Aufträge zumeist unter dem Aspekt der späteren Gewinnmehrung vergeben werden, können kleine und mittelgroße gemeinnützige Vereine und Stiftungen, die wie die Integrata nicht von einem Unternehmen finanziert werden, nur begrenzt wirksam sein. Das hatte bei uns zur Folge, dass unser auf jährliche Vergabe ausgelegter Preis im Jahr 2009 nicht ausgeschrieben werden konnte. Erst nach 2 Jahren ist die Stiftung finanziell wieder in der Lage, den Preis zu vergeben. Er steht diesmal unter dem in den letzten Jahren entwickelten Leitgedanken:

2009/10:         Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie

Zu diesem Thema wurden im Laufe der Ausschreibungsfrist viele gute Arbeiten eingereicht, von denen drei nach Meinung der Jury von herausragender Qualität waren. Den 1. Preis erhielten:

  • Dr. Leonhard Dobusch von der Freien Universität Berlin und Christian Forsterleitner, Gemeinderat in Linz, als Herausgeber und ein Team von sechzehn jungen Autorinnen und Autoren, die die Chancen und Potentiale digitaler Technologien für eine offene und freie Gesellschaft beleuchten. Der Titel des gemeinsamen Buchprojekts und damit auch des Preisobjekts ist: Freie Netze. Freies Wissen.

„Noch nie war es einfacher“ so die Bewerber – „Menschen und ihr Wissen in Form von Texten und Bildern oder Tönen zusammenzubringen und zu vernetzen. Freie Netze sind der Versuch, dieses Potential von Internet und PC auszuschöpfen und möglichst alle Menschen daran teilhaben zu lassen“.

„Der Zugang zu digitalen Netzen bedeutet noch nicht den Zugang zu Inhalten. Ein freier Zugang zu Wissen ist aber die Basis für Innovation und Emanzipation. Den neuen Möglichkeiten für freien Zugang zu Wissen stehen neue und alte, soziale und rechtliche Barrieren gegenüber.“

Aus der Sicht der Preisjury ist der Band deshalb besonders preiswürdig, weil er die Chancen und die Potentiale der neuen Technologie in ihrer sozialen Bedingtheit verdeutlicht. Die Verfasser nehmen dabei eine deutlich positive, aber keineswegs naive Position ein. In der preisgekrönten Arbeit wird konkret aufgezeigt, wo die globale Informationstechnologie einer regionalen Ausprägung bedarf, um tatsächlich einen gesellschaftlichen Nutzen zu stiften.

Der 2. Preis ist thematisch auf dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Schwerpunkt „Kulturelle Bildung“ bezogen. In der preisgekrönte Arbeit von

  • Prof. Dr. Volker Wulf von der Universität Siegen mit dem Titel: Interkulturelles Lernen mittels computergestützter Projektarbeit –Come_IN

geht es um gemeinsames Lernen in Computerclubs. Die Computerclubs sind an Grundschulen angesiedelt. Die Gelegenheit zum gemeinsamen Lernen, Spielen und Arbeiten am und mit dem Computer fördert Kinder und Erwachsene in ihrem kreativen Umgang mit modernen Medien. Das besondere Verdienst des Come_IN-Projekts liegt darin, dass Familien mit Migrationshintergrund in den Computerclubs mitarbeiten können. Die entstehende, gemeinsame Praxis beeinflusst Sprachgebrauch, Wertesystem und Identität der Akteure nachhaltig, wie der Erfolg des Projekts zeigt.

Inzwischen sind in Siegen und an anderen Orten in Nordrhein-Westfalen zahlreiche weitere Computerclubs eingerichtet worden. Im Jahre 2006 erhielt das Vorhaben in Anerkennung dieser Verdienste den Medienpreis „Schule ans Netz“ der deutschen Telekom-Stiftung. Aus der Sicht des Kuratoriums der Integrata-Stiftung, also auch im Hinblick auf unsere Zielsetzung, handelt es sich um eine herausragende Arbeit, der wir eine weite Verbreitung wünschen.

  • Der 3. Preis, den Hanna Steinmetz, M. A. und Projektleiterin „Kinderkultur“ für das Team der Ott-Goebel-Jugendstiftung entgegennahm, kann ebenfalls dem Bereich Bildung zugerechnet werden. Das prämierte Projekt MedienPartner (MePa)

schlägt einen generationenübergreifenden Dialog zum Medienwandel zwischen alten und jungen Menschen vor und hat diesen Ansatz im praktischen Einsatz geprüft: 30 Kinder und Jugendliche der 5. – 9. Schulklassen und 30 Seniorinnen und Senioren aus der Stadt Friedrichshafen lernten gemeinsam „alte“ und „neue“ Medien kennen und konnten im Anschluss dazu an gezielten Projekten, wie einem Stadt-Wiki, mitarbeiten. So können sie nun u. a. nützliche Informationen über das Internet einholen wie Wetternachrichten, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Nachrichten, Zugverbindungen etc. – und sie lernten es, sich zu vernetzen und miteinander zu kommunizieren.

Dadurch wird insbesondere den älteren Menschen mehr Sicherheit im Umfang mit den neuen Medien geboten. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird dazu beitragen, Vorurteile, sowohl an neuen Medien als auch der anderen Generation gegenüber abzubauen.

4.       Zehn Thesen zur humanen Nutzung der Informationstechnologie

Wenn wir unterstellen, dass viele Schulen solche oder ähnliche Einrichtungen betreiben wie in Friedrichshafen, dann können wir durchaus einen gewissen sozialen Mehrwert erwarten. Zu seiner Verbreitung möchten wir mit unserem Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie vor allem beitragen – und was hier für das Projekt Medien-Partner gesagt wird, gilt für über 30 weitere Projekte, die ich Ihnen – meine Damen und Herren – dargestellt habe.

Sie reichen von A wie Ausbildung, über Gesundheitsvorsorge, Sicherheit und Verkehrsentlastung bis Z wie Zusammenarbeit – ein ganzes Füllhorn kluger Verbesserungsvorschläge zum IT-Einsatz und eine Konkretisierung der Forderung nach humanerer Nutzung der Informationstechnologie.: (weitere Beispiele bringt Rolf Pfeiffer, Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie, in Integrata-Stiftung, Heidi Heilmann (Hrsg.): Humane Nutzung der Informationstechnologie, Heidelberg 2010).

Unsere jahrelange Preisvergabepraxis hat uns sehr dabei geholfen, diese an sich einfache Idee der humanen Nutzung der Informationstechnologie mit Leben zu erfüllen, so dass wir schließlich 2008 – nach internen Diskussionen – erstmals unser 10 Thesen-Cluster zur Verbesserung der Lebensbedingungen durch gerade diese Technologie der Öffentlichkeit vorlegen konnten.

Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie!

10 Thesen-Cluster

zur Verbesserung der Lebensbedingungen durch humane Nutzung

der Informations- und Kommunikationstechnologie

 

  1. Bewahrung und Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Gesundheit.
  2. Erhaltung der inneren und äußeren Sicherheit unter Wahrung von Freiheit und Würde des Menschen.
  3. Herstellung und Sicherung der Freizügigkeit und menschenwürdiger Verkehrsverhältnisse zur persönlichen Begegnung.
  4. Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Kommunikationspartnern durch sachgerechte Information und freie Kommunikation.
  5. Öffnung des Zugangs zu Bildung und Ausbildung nach Maßgabe des individuellen Leistungsvermögens, zugleich aber Sicherstellung der weltanschaulichen Neutralität von Bildungsvermittlung und Unterhaltung.
  6. Schaffung von Arbeits– und Erwerbsmöglichkeiten, die auf die Menschen zugeschnitten sind, in ausreichender Zahl und Qualität, um das Gemeinwohl zu fördern und Wohlstand für alle zu erzielen.
  7. Weiterentwicklung der Informationstechnologie zu einem hilfreichen Instrumentarium für die Führung von Menschen durch Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft.
  8. Förderung der Partizipation der Bürger an der öffentlichen Meinungsbildung und Gestaltung des Gemeinwesens im Gleichgewicht von Freiheit, Ordnung und Gerechtigkeit.
  9. Schutz der Natur und der Umwelt vor Raubbau und Zerstörung zugunsten der natürlichen Prozesse und der kommenden Generationen.
  10. Überwindung des Sinn- und Zeitnotstands moderner Menschen zugunsten einer würdigen Lebensführung mit Freizeit und Muße für Kultur und Religion.

Der Slogan „Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie“ ist Forderung und Feststellung zugleich. Feststellung, weil durch die Informationstechnologie unsere Lebensqualität bereits nachhaltig erhöht wurde – und Forderung, weil gleichzeitig viele Entwicklungen in Gang gesetzt wurden, die wir so nicht hinnehmen können. Wir wollen vielmehr durch die Verbreitung besserer Verfahrensvorschläge dazu beitragen, dass negative Einwirkungen auf die Lebensqualität vermieden werden. Das ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe ersten Ranges, an der viele Menschen an vielen Orten mit viel Engagement arbeiten: in der Politik, in Wirtschaft und Gesellschaft, in Instituten, Stiftungen und auf Kongressen.

Die Konkretisierung unserer Stiftungsidee durch das 10-Thesen-Cluster kommt auch in unserer 1. Buchveröffentlichung zur „Humanen Nutzung der Informationstechnologie“ zum Ausdruck, die gerade im AKA-Verlag Heidelberg (2010) erschienen ist. Sie liefert einen breiten Überblick über Bereiche und Beispiele humanen IT-Einsatzes. Mitgewirkt haben Fachleute aus beinahe allen Lebensbereichen, die wir in unseren Thesen unterscheiden, darunter viele Stiftungspreisträger.

Sie berichteten u.a. über die Weiterentwicklung ihrer Verfahrensvorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität in den Bereichen Gesundheit, Information und Kommunikation, Sicherheit und Verkehr. Die Autoren sind überwiegend keine Gremienmitglieder der Stiftung, sondern freie Berater, Forscher, Wissenschaftler – Menschen, die zu den Brennpunkten unserer Thematik fundiert Stellung nehmen können und einen humanen Ansatz vertreten.

Besonders deutlich wird die Programmatik der 10 Thesen auf unserem 1. Kongress zur humanen Nutzung der Informationstechnologie, der auch den Untertitel „Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie“ trägt. Hier stellen die Preisträger des Jahres 2010 ihre Verfahrensvorschläge vor und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sprechen insbesondere zu den Themen Bildung, Kommunikation und Gesundheit. Die Podiumsdiskussion zwischen den neuen Preisträgern und den Keynote-Speakern des Kongresses ist gezielt dem Einfluss der Informationstechnologie auf die Lebensqualität gewidmet.

Damit sind – über die jährlichen Preisverleihungen hinaus – die ersten Schritte in die Öffentlichkeit getan. Es gibt aber noch eine weitere Initiative, über die in diesem Resümee über die ersten 10 Jahre der Integrata-Stiftung berichtet werden soll: die Konzipierung und Implementierung eines Portals zur öffentlichen Diskussion und Weiterentwicklung der humanen Nutzung der Informationstechnologie. Wir haben diesem Portal den Namen

HumanIThesia gegeben: Thesen zur Humanisierung der Informationstechnologie.

5.       Das HumanIThesia-Portal

            1.      Portal-Ansatz

Die Förderung nach mehr Lebensqualität bildet den Kern des Stiftungszwecks. Sie soll durch gezielte Nutzung der informationstechnologischen Möglichkeiten erreicht werden. Diese Aufgabe haben vor allem Professionals der verschiedenen Anwendungsbereiche, sowie insbesondere Informatiker und Programmierer, also alle, die den Einsatz von Informationstechnik und -technologie, wo auch immer organisieren. Sie leiten ihre Aufgabenstellungen überwiegend aus ihren jeweiligen Berufen ab, die in der Wirtschaft, in der Wissenschaft aber auch im gesellschaftlichen Bereich angesiedelt sind. So ergibt sich ein breites Spektrum von Anwendern der Informationstechnologie, in dem das Streben nach mehr Lebensqualität bisher aber nur unzureichend zur Geltung kommt.

Um diese Situation zugunsten einer humaneren Nutzung der Informationstechnologie zu verändern, erscheint es notwendig, die Einsatzbereiche ausdrücklich herauszustellen, die die Lebensbedingungen in unserer Gesellschaft prägen und die die besten Andockstellen für eine Verbesserung sind. Unsere „10 Thesen“ sollen genau das sein: Andockstellen für Verbesserungsvorschläge zum IT-Einsatz.

            2.      Inhalte und Struktur

Im Mittelpunkt des Portals stehen die zehn Thesen zur Lebensqualität. Für jedes Thesen-Cluster wird ein Forum eingerichtet, in dem das jeweilige Kriterium besprochen und diskutiert werden kann.

Die Diskussionen werden unter den Teilnehmern geführt, zu denen auch Vertreter der Integrata-Stiftung gehören. In Abhängigkeit von der Intensität und Ergiebigkeit der Diskussionsrunden werden Zwischenergebnisse formuliert und als solche von einem Redakteur im Portal hinterlegt, damit sie dort der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

  • Der „Beitrags“-Block wird mit einschlägigen Artikeln, Beiträgen, Vortragsmanuskripten und anderen Veröffentlichungen oder Links gespeist und wie ein Nachschlagewerk organisiert. Darin werden auch ethisch-moralische Wertungen, Maximen, Manifeste und – vice versa – kritische Beiträge zur humanen Nutzung der Informationstechnologie enthalten sein.
  • Besondere Bedeutung messen wir dem Beispiel-Block bei, der praktische Vorschläge zur Verbesserung der Lebensbedingungen durch Informationstechnologie aufnehmen wird, also Visionen, Konzepte, Projekte, Anwendungsbeispiele und andere einschlägige Arbeiten, z.B. auch Drehbücher und Fernsehspots, die sich mit der Thematik kritisch auseinander setzen. Hier sind insbesondere auch die Preisträgerarbeiten zu finden.
  • Die Lehrtexte und Kompendien stellen einen dritten Block von Aussagen dar, der der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden soll. Dabei handelt es sich um Lehrmaterialien und web-based Trainingsmodule zu Kernfragen der humanen Nutzung der Informationstechnologie.
  • Ein Glossar, mit den im Portal verwendeten Begriffen, insbesondere denen, die die Integrata-Stiftung selber als Fachausdrücke gebraucht, sowie ein Verzeichnis der einschlägigen Literatur sollen das Portal eines Tages abrunden.

            3.      Redaktion und sachliche Zuordnung

Die sachliche Zuordnung der Beiträge und die Administration des Portals obliegt einem Fachbeirat.

Der Fachbeirat der Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie setzt sich aus Vertretern verschiedener Disziplinen zusammen, vorzugsweise aus Kern- und Wirtschaftsinformatikern, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, Ingenieuren und Beratern aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Es handelt sich um fachlich und menschlich hoch qualifizierte Personen, die die Sache der humanen Nutzung der Informationstechnologie überzeugt verfolgen und tatkräftig unterstützen.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Fachbeirats besteht darin, das HumanIThesia -Portal aufzubauen und zu pflegen. Als Redaktionsteam entscheidet der Fachbeirat auch darüber, ob ein Beitrag in unser Portal eingestellt wird oder nicht. Er lässt sich dabei von folgenden Leitlinien leiten:

  • handelt es sich um einen Beitrag zur humanen Nutzung der Informationstechnologie?
  • ist er folgerichtig und verständlich abgefasst?
  • hat er eine individuelle, soziale Bedeutung?

Das Redaktionsteam trifft rein formale Entscheidungen, eine Bewertung der Beiträge und Vorschläge wird nicht vorgenommen.

            4.      Freigabe zur Diskussion

 

Obwohl das Portal noch keineswegs optimal konfiguriert ist, haben wir uns entschlossen, es für die Öffentlichkeit freizugeben (www.humanithesia.org):

  • HumanIThesia steht allen Autoren offen und dient als Sammelbecken für Beiträge, Beispiele und Vorschläge zur humanen Nutzung der Informationstechnologie. Damit wird HumanIThesia zum universalen Portal, zu dem jeder beitragen, in dem sich aber auch jeder frei informieren kann.
  • Dieses Geben und Nehmen muss initiiert werden und danach im Sinne der Selbstorganisation wachsen, Gestalt annehmen und beweisen, dass es eine sinnvolle Aufgabe im Prozess der Humanisierung spielt.
  • Die Integrata-Stiftung will in diesem Sinne als Initiator fungieren und nicht als dominierende Zentralinstanz. Das Beispiel Wikipedia hat uns inzwischen gezeigt, dass die direkte Mitwirkung außen stehender Autoren gute Ergebnisse bringen kann.
  • Wenn Sie mitmachen wollen und uns Ihre Beispiele und Argumente zur humaneren Nutzung der Informationstechnologie schicken, stellen wir sie nach einer formalen Prüfung durch den Fachbeirat der Integrata-Stiftung ins Portal und damit allen Interessierten zur Verfügung.

Das HumanIThesia-Portal soll sich zu einem Zentrum für Diskussion und Umsetzung von richtungsweisenden Beispielen der humanen Nutzung der Informationstechnologie entwickeln. Die besten Vorschläge können durch Preise ausgezeichnet werden.

Die preiswürdigen Arbeiten wurden bisher durch Ausschreibungen gefunden. Nach der Freigabe des HumanIThesia-Portals werden auch die dort niedergelegten Vorschläge in die Auswahl für die Preisvergabe einbezogen. Jeder herausragende Vorschlag, der in das Portal aufgenommen wird, enthält somit die Chance, einen Preis zu erhalten.

6.       Die Weitergabe des „Feuers der Humanität“

1.      Rückblick auf zehn Jahre Stiftungsarbeit

Im Rückblick wird deutlich, wie sich die Stiftungsidee der humanen Nutzung der Informationstechnologie von der ursprünglichen Fokussierung auf Teleprozesse in die Breite entwickelt hat. Das ist zum einen die Folge der rasanten Durchdringung unseres beruflichen und privaten Lebens mit informations- und kommunikationstechnologischen Anwendungen. Wir erkennen, dass dadurch nicht nur Vorteile in die Welt gekommen sind, sondern auch Nachteile.

Zum Andern haben uns die Erfahrungen mit dem Stiftungspreis gelehrt, wie pragmatisch und konkret man an die Dinge herangehen sollte, um Verbesserungen mit Hilfe der Informationstechnologie bewirken zu können. Es gilt, einen Weg zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu finden; die Stiftungsidee ist ein Gestaltungsansatz zwischen Befreiung und Entfremdung durch Informationstechnologie, Stiftungsziel die Steigerung der Lebensqualität für alle Menschen.

Dafür haben wir die 10 Thesen zur Verbesserung der Lebensbedingungen durch humane Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie formuliert. Sie sollen die Richtung weisen, die die Verantwortlichen in Wirtschaft und Gesellschaft einschlagen, wenn sie die Informationstechnologie weiterentwickeln. Viele suchen nach einer Landkarte zur Orientierung. Unsere Stiftung möchte ihnen kein neues Dogma vorgeben, sondern Ziel und Orientierung vermitteln, die Entscheidungen bleiben bei den Entscheidern.

Unser Buch zur humanen Nutzung der Informationstechnologie und der Kongress zur Steigerung der Lebensqualität sind auch Versuche, die Öffentlichkeit für diese Idee zu gewinnen.

2.      Ausblick

Die Auseinandersetzung mit der Informationstechnologie und den geistigen Kampf um eine humanere Welt müssen alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam führen. Das kann nachhaltig nur gelingen, wenn jede neue Generation ihre eigenen Vorstellungen einbringt. Es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Menschen aus allen Bereichen des Lebens, jung und alt, daran beteiligen werden.

Mit dem HumanIThesia-Portal stellt die Integrata-Stiftung ihre Forderung nach mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie in einer breiten Öffentlichkeit zur Diskussion. Der Stiftungsansatz, der sich in den ersten zehn Jahren stiftungsintern entwickelt hat, sollte in den nächsten 10 Jahren durch die Beteiligung von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Professionen einen Klärungsprozess erfahren und zum Kern eines neuen, demokratischen Humanismus werden: die Nutzung der Informationstechnologie muss in eine Richtung gelenkt werden, die dem Wohle jedes Einzelnen und aller Menschen – nachhaltig – dient, zwischen Befreiung und Entfremdung!

Vor diesem programmatischen Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass fast alle Lebensbereiche von dieser Auseinandersetzung mit der Informationstechnologie betroffen sind, wollen auch wir den Stiftungspreis neu ausrichten. Bisher wurde der Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie jährlich für ein bestimmtes aktuelles „Unterthema“ ausgeschrieben, so für Telelearning, Wissensmanagement, Telemedizin, Verkehrstelematik u. a.. In Zukunft werden wir unseren Ausschreibungen das 10-Thesen-Cluster zugrunde legen, also die Lebensbereiche ansprechen, die dort thesenartig umschrieben sind, nämlich:

(  1)        Gesundheit

(  2)        Sicherheit

(  3)        Freizügigkeit und Verkehr

(  4)        Information und Kommunikation

(  5)        Bildung und Ausbildung

(  6)        Arbeit und Erwerb

(  7)        Führung von Menschen

(  8)        Partizipation …

(  9)        Natur und Umwelt

(10)        Kultur und Religion

Diese Einteilung korrespondiert mit unserem HumanIThesia-Portal, so dass wir auch die dort eingereichten „herausragenden“ Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität durch Informationstechnologie in die jeweilige Preisauswahl einbeziehen können.

Da die eigenen Mittel unserer Stiftung in absehbarer Zeit nicht ausreichen werden, um die Themen jährlich auszuschreiben, wollen wir Firmen und vermögenden Einzelpersonen die Möglichkeit einräumen, einen eigenen Preis zu stiften, der von der Integrata-Stiftung treuhänderisch verwaltet und jährlich ausgeschrieben wird, wie der Wolfgang-Heilmann-Preis. Damit eröffnet sich die Vision eines nach Lebensbereichen aufgefächerten Preises für humane Nutzung der Informationstechnologie, der kreativen Menschen, die sich für mehr Lebensqualität durch IT-Einsatz engagieren, die Chance bietet, zusätzlich zur Belohnung durch Fakten, Anreiz und Anerkennung zu finden. Ganz besonders junge Forscher und Entwickler wollen wir ansprechen. Man muss sich früh auf den Weg machen, um noch vor der Nacht anzukommen …

Machen wir uns auf den Weg!